Safran: Das teuerste Gewürz der Welt, mit Saltim bocca vom Wels

Wer in Asien weder lesen noch schreiben kann, orientiert sich an der Farbgebung von Etiketten an Lebensmitteln. Ist eine Flasche mit Sojasauce zum Beispiel mit einem gelben oder goldenen Etikett versehen, so handelt es sich hierbei um ein besonders hochwertiges Produkt. Allein die Farbe gelb ist schon Luxus. Im Alten Orient gehörten gelbe, nicht selten mit Safran eingefärbte Kleidungsstücke zum Herrschergewand. Und in der griechischen Mythologie wurde das tragen von safrangelben Kleidungsstücken von Göttinnen und Herrscherinnen bezeugt. Bis Zum heutigen Tage gelten weltweit auf das Fälschen oder Verschneiden von Safran hohe Strafen.

Auch wenn diese Krokusart ihren Ursprung im Orient findet, so ist Safran doch mittlerweile, abhängig von Wetter und Temperatur, im Mittelmeeraum, Deutschland, ja sogar der Schweiz und in der Wachau in Österreich verbreitet. Den größten Marktanteil mit 91% besitzt aber nach wie vor der Iran mit einer Jahresproduktion von circa 180 Tonnen. Aus dem arabisch-persischen rührt auch sein Name zaʿfarān, „das Gelbe“. Es mag sein, das es preiswertere Möglichkeiten gibt Lebensmittel gelb einzufärben, aber Safran besitzt einen einzigartigen bitteren, herben leicht scharfen Geschmack, der durch nichts zu ersetzen ist. Nur solltet ihr darauf achten, dass Safran bei längerem kochen sein Aroma verliert. Ebenso sollte er vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden.

Saltim bocca vom Wels auf Safran Risotto

Zutaten für 4 Personen

  • 500g Welsfilet
  • 1 Bund frischer Salbei
  • 8 Scheiben dünnen geschnittener Prosciutto
  • Butter
  • natives Olivenöl
  • Meersalz aus der Mühle
  • Kirschtomaten für die Garnitur
  • 1g Safran

Das Rezept für das Risotto findet ihr hier. Bitte plant circa 20 Minuten Garzeit für das Risotto mit ein. Anstatt der Trüffel verwendet Ihr Safranfäden. Die Fäden vorher in etwas Weißwein einweichen und erst 6 Minuten vor dem Ende der Garzeit zufügen. Dann habt ihr das volle Aroma und eine sehr intensive Gelbfärbung.

1.Salbei waschen und Blätter von den Stilen zupfen. Kirschtomaten waschen und von der Rispe mit einer Schere abschneiden, so das immer etwas Grün an der Tomate verbleibt. Die Welsfilets unter fließend kaltem Wasser abwaschen, mit einem Küchentuch trocken tupfen. Die Filets der Länge nach gleichmässig halbieren und in 10cm lange Stücke schneiden. Zwei Stück pro Portion. Jedes Filetstück leicht salzen und mit einem großen Salbeiblatt belegen, den Prosciutto fest um das Filet wickeln.

2.Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, die Filets gleichmässig von beiden Seiten her anbraten, im vorgeheizten Backofen abgedeckt bei circa 80 Grad warm halten. Reichlich Butter in der Pfanne zerlassen, gezupfte Salbeiblätter zugeben und die Kirschtomaten darin kurz abschwenken, bis die Haut aufzuplatzen beginnt. Mit Meersalz aus der Mühle würzen und sofort aus der Pfanne nehmen und warm stellen. Salbei aus der Pfanne mit der Butter in einer Schüssel geben und mit dem Stabmixer fein pürieren.

3.Das fertig gegarte Safranrisotto auf vier vorgewärmte Teller mittig anrichten, mit jeweils 2 Welsfilets belegen. Die geschmolzenen Kirschtomaten anlegen, die Salbeibutter ein wenig als Garnitur um das Risotto herumlaufen lassen.

Zur Sommerzeit ein nicht nur kulinarischer Traum: Saltim bocca vom Wels auf Safran Risotto

Austria goes China: Teeeier aus österreichischen Eiern

Cha Jidan, so die Bezeichnung chinesischer Teeeier im Original. Vielleicht liegt es ja auch ein wenig an Wuhan, dass mir diese optisch und geschmacklich wirklich sehr interessanten Eier in den letzten Wochen nicht mehr aus dem Sinn gegangen sind. Im asiatischen Raum besitzt Tee eine sehr lange Tradition, in Japan wird die Zubereitung sogar in eigens für diesen Anlass kreierten Zeremonien zelebriert. Und in einer Zeit in der wir gewissermassen zwangsweise „entschleunigt“ wurden, ergriff ein wenig der Gedanke Besitz von mir, diese Eier mit gleicher Sorgfalt zuzubereiten, und dies mit österreichischen Eiern.

Chinesische Teeeier entschleunigen. Denn um sie herzustellen muss man ein klein wenig warten, bis der Sud seinen vollen Geschmack aber auch seine Färbung an die Eier abgegeben hat. Und was man dann erhält, ist an Schönheit und Geschmack kaum zu überbieten, zumindest auf ein Ei bezogen. In China und Taiwan ist dieses marmorierte Ei wohl der Klassiker im Street Food Bereich. Eigentlich schon fast zu schade für einen schnellen Happen, aber wer will kann sich seine Ramen (Nudeln) damit ja ein wenig veredeln.

Cha Jidan: chinesische Teeeier

  • 8 Eier
  • 40g frische Ingwerwurzel
  • 1 Sternanis
  • 3 ganze Nelken
  • 1/2 Zimtstange
  • 4 Tl schwarze Teeblätter (z.B. Ceylon Orange Pekoe)
  • 1 Tl Tellicherry Pfefferkörner oder Szechuan
  • 2 Tl Meersalz
  • 3 El helle Sojasauce
  • 4 El Mirin
  • 1,5 Lt Wasser

1.Die Eier einstechen und zunächst in ausreichend Wasser und ein wenig Essig für circa 8 Minuten hart kochen. In kalten Wasser gut abschrecken. Danach die Schale der Eier rundherum anschlagen, sodass Risse entstehen, die Schale aber noch am Ei haften bleibt.

2.Ingwer schälen, in dünne Scheiben schneiden. 1,5 Liter Wasser mit Salz, zerbrochenem Sternanis, Ingwer, Zimtstange, Pfefferkörner, Sojasauce, Mirin und Teeblätter aufkochen und zugedeckt bei kleiner Hitze circa 15 Minuten weiterköchelnd lassen. Die Eier in den Sud geben und weitere 30 Minuten auf kleinster Flamme köcheln lassen. Topf vom Herd nehmen und die Eier im Sud abkühlen lassen. Schale entfernen.

Chinesische Teeeier: in Asien Street Food

Wenn vom Huhn mal was übrig bleibt: Gröstl, mit Ei

Überfluss und sorglos, mit diesen Attributen lässt sich wohl am treffendsten unser täglicher Umgang mit Lebensmittel umschreiben. Ein Drittel unserer Lebensmittel wandert, ohne auch nur einen Gedanken an eine Zweitverwendung wie einem aromatischen Gröstl mit Huhn und Ei zu verschwenden, bedenkenlos in den Müll. Und selbst wenn man selber nichts mehr mit den übrig gebliebenen Lebensmitteln anzufangen weiß, existieren zahllose gemeinnützige und karitative Organisationen, die sich über jede Gabe herzlich freuen würden.

Wer glaubt, das bei einem Profikoch nie etwas übrig bleibt, der irrt gewaltig. Auch ich muss mir meine Gedanken machen, wie ich Lebensmittel ein zweites Mal wohlschmeckend verarbeiten kann, und sei es „nur“ um ein leckeres Mittagessen für die geschätzten Mitarbeiter zu kochen. Denn neben dem finanziellen Verlust, der mit dem Wegschmeissen von Lebensmitteln einhergeht, schmerzt mich mehr die Tatsache, das ich ein Mittel zum Leben nicht einer weiteren, achtvollen Verwendung zugeführt habe. Ganz gleich ob ich übrig gebliebenen Leberkäs zu einem herzhaften „Wurstsalat“ mit Essiggurken, Zwiebeln und Radieschen weiterverarbeite, oder aus meinem Landhuhn mit Erdäpfeln, Ei und typischen Gewürzen ein wärmendes Gröstl herstelle, wichtig ist nur der Gedanke, der hinter diesen Gerichten steckt.

Gröstl vom Landhuhn mit Ei und Champignons

Zutaten für 4 Personen

  • 800g Erdäpfel, vorwiegend festkochend
  • 250g Champignons oder Egerlinge
  • 100g geräucherter Speck
  • 400g Hühnerfleisch vom Vortag, gegart
  • 2 rote Zwiebeln
  • 3 Eier
  • Majoran
  • Thymian
  • etwas Kümmel, ganz
  • 1 Bund Schnittlauch
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
  • Butterschmalz

1.Erdäpfel waschen und in reichlich kaltem Wasser mit Meersalz und ganzem Kümmel aufkochen und bei zugedecktem Deckel garen. Nach dem Garen Erdäpfel abgießen und noch warm schälen, in Scheiben schneiden. Zwiebeln schälen, halbieren und in Streifen schneiden. Speck in schmale Streifen schneiden. Champignons putzen, Stiele entfernen, Pilze in Scheiben oder stückig schneiden, alles zusammen bereit stellen.

Herrlich aromatisch duftendes Gröstl vom Huhn

2.Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen. Erdäpfelscheiben darin goldbraun anbraten. Pilze zugeben und mit anbraten. Zwiebeln und geräucherten Speck zugeben und mitgaren. Mit reichlich Majoran, ein Wenig Thymian und ganzen Kümmel sowie Meersalz und Pfeffer aus der Mühle würzen. Hühnerfleisch in Würfel schneiden und zum Gröstl zugeben. Alles zusammen noch ein paar Minuten auf kleiner Flamme ziehen lassen.

3.Schnittlauch waschen und in feine Ringe schneiden. Die Eier in einer Schüssel aufschlagen und leicht verquirlen. Gröstl vom Herd nehmen und die Eier mit dem Schnittlauch zugeben und vorsichtig unterheben. Das Ei soll hierbei noch richtig saftig bleiben. Sofort auf vier vorgewärmte Teller gleichmässig verteilen, mit Schnittlauchblüten ausgarnieren.

Wohlig wärmendes Gröstl vom Landhuhn, Champignons und Ei

Pasta, Sumach, frischer Koriander und Joghurt

Nudeln selber machen ist nicht schwierig. Es mag zwar schon richtig sein, das Erfolgserlebnis ist gerade beim kochen und backen sehr, sehr wichtig. Aber mit dem Probieren wachsen auch Erfahrung, Neugier und der Mut Neues auszuprobieren. Und irgendwann stolpert man über das Rezept einer interessant klingenden Pasta. Bei mir war es ein Gericht aus Aserbaidschan, mit Sumach, dem getrockneten Fruchtfleisch des Essigbaumes, auch bekannt als „sizilianische Zucker“. In einer Zeit, in der ich mich mal wieder für Weltküchen begann zu interessieren. Die in diesem Gericht verwendete Pasta erinnerte mich in ihrer Form sehr stark an die hier weit verbreiteten Fleckerl.

Ich würde aber für die Verarbeitung der Pasta zu einer Nudelmaschine greifen. Die gibt es schon in preiswerten, mechanischen Ausführungen um die 30.- Euro. Allerdings sind diese Geräte ehrlich gesagt nur zum ausrollen einer Teigmatte zu gebrauchen. Die Nudeln schneidet man nach dem ausrollen lieber von Hand. Wer sich die ganze Vielfalt italienischer Pasta-Spezialitäten in die eigene Küche holen möchte, der sollte ab 80.- Euro aufwärts gewillt sein zu investieren. Meine Pasta mit herrlich würzigem Sumach, Koriander und kräftig gewürztem Naturjoghurt wird euch den Preis dieser Anschaffung schnell vergessen lassen, versprochen! Nicht selten wurde dieses Gericht schon als Offenbarung bezeichnet. Im Original wird es aus Lammfaschiertem zubereitet, ich habe mich für die Variante mit Rindfleisch entschieden.

Chingal, eine kulinarische Offenbarung

Für die Pasta

  • 1 Vollei, verquirlt
  • 60ml kaltes Wasser
  • 200g Nudelmehl
  • etwas Mehl zum bestäuben

Für das Faschierte

  • 300g Rindfleisch, grob faschiert
  • 100g geklärte Butter
  • 2El Mandelöl
  • 1Tl gemahlener Koriander
  • 1Tl gemahlener Kreuzkümmel
  • 20g frischer Kurkuma
  • 2 Zwiebeln
  • 1El Sumach
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle

Für die Joghurtsauce

  • 200g Naturjoghurt, gerührt
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1El Koriandergrün
  • 1El Dill
  • Meersalz aus der Mühle

1.Vollei und Wasser in der Rührmaschine vermischen, nach und nach das Nudelmehl einarbeiten und zu einem festen, elastischen Teig verkneten. Sollte er zu feucht wirken etwas mehr Mehl zugeben. Teig mit einer Folie abgedeckt circa 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.

Nudelteig

2.Kurkuma schälen und in ganz, ganz feine Würfel schneiden oder mit einer sehr feinen Reibe reiben. In einer ausreichend großen Pfanne Butter und Öl erhitzen. Faschiertes scharf anbraten. Es darf ruhig knusprig dabei werden. Gewürze und Kurkuma zugeben und 1 Minute weiter braten, mit Meersalz und Pfeffer aus der Mühle abschmecken.

3.Fleisch aus der Pfanne nehmen, warm halten, die Pfanne nicht reinigen. Zwiebeln schälen, halbieren und in feine Würfel schneiden. Nochmals Butter und Öl in der Pfanne erhitzen und die Zwiebelwürfel darin anschwitzen, bis sie süß und goldfarben sind. Zwiebeln ebenfalls gut würzen und zum Rindfleisch zugeben, warm halten.

Hausgemachte Pasta… Fleckerl

4.Knoblauch schälen, halbieren und ganz fein hacken, zum Naturjoghurt geben. Mit gehacktem Koriander, Dill und Meersalz aus der Mühle verfeinern.

5.Gekühlten Nudelteig halbieren und beide Hälften auf circa 2mm Stärke mit der Nudelmaschine ausrollen. Mit einem Messer in breite Streifen schneiden, dann in Rauten. In einem großen Topf reichlich Wasser aufkochen, salzen und die Pasta für circa 2 Minuten darin garen. Butter in einer Pfanne erhitzen und die in kaltem Wasser kurz abgeschreckten, gegarten Nudeln in der Butter kurz durchschwenken. Gleichmässig auf 4 warme Teller verteilen. Das Rindfleisch über die Pasta geben, Joghurt darüber laufen lassen und noch ein wenig mit Sumach bestreuen.

Chingal, eine wahre Offenbarung

Kartoffelsuppe, Frankfurter und ofenfrische Baguette

Vincent van Gogh schuf im Jahre 1885 sein berühmtes Gemälde „Die Kartoffelesser“, ihren Ursprung hat sie in Südamerika und im 17.Jahrhundert fand man sie in Europa als seltene Zierpflanze wegen Ihrer schönen Blüte hauptsächlich in botanischen Gärten wieder. Heutzutage werden jährlich etwa 376 Millionen Tonnen Kartoffeln auf 17 Millionen Hektar Anbaufläche weltweit geerntet. Damit zählt sie zu den wichtigsten Lebensmitteln der Welt.

Für mich als Koch ist sie in der Küche eine der vielfältigsten Möglichkeiten klassische und kreative Sättigungsbeilagen wie Kroketten, Pommes dauphine oder gar eigenständige Gerichte wie dem Rösti oder einer Erdäpfelsuppe zu produzieren. Manches von dem habe ich in meinem Blog schon vorstellt, mal mehr, mal weniger in den Vordergrund gerückt. Heute ist die Erdäpfelsuppe mein Protagonist, mit Frankfurter und ofenfrische Baguette. Ich habe dieses Rezept lange Zeit „geheim“ gehalten, aber dennoch hat es mich immer wieder überrascht, wie man Gäste mit einer einfachen, aber feinen Suppe glücklich machen kann…

Erdäfelsuppe mit Frankfurter und ofenfrische Baguette

Zutaten für 4 Personen

  • 800g Erdäpfel, vorwiegend festkochend
  • 2 Zwiebeln
  • 100g geräucherter Bauchspeck
  • 2Tl Majoran
  • 1Tl Thymian
  • 3 Lorbeerblätter
  • 100ml trockener Weißwein
  • 250ml Schlagobers
  • 150g Crème fraîche
  • 2Lt kräftige Gemüsebrühe
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
  • Sonnenblumenöl
  • 50g Butter
  • 4 Paar Frankfurter
  • 2 Lorbeerblätter
  • 5 Nelken

1.Erdäpfel waschen, schälen und in grobe Stücke schneiden. Zwiebeln schälen, halbieren, in grobe Würfel schneiden. Öl und Butter in einem Topf zerlassen und die Zwiebeln leicht gesalzen darin glasig anschwitzen. Vom Bauchspeck die Schwarte entfernen, Speck in grobe Streifen schneiden und mit der Schwarte zusammen zu den Zwiebeln geben. Mit Majoran, Lorbeer und Thymian würzen.

Neue Ernte

2.Zwiebeln mit Weißwein ablöschen, Erdäpfel zugeben und einmal kurz aufkochen. Mit Gemüsebrühe ablöschen und die Erdäpfel in der Brühe weich garen. Nach dem Garen Speck, Speckschwarte und Lorbeerblätter entfernen und die Suppe mit dem Stabmixer ganz fein pürieren. Schlagobers und Crème fraîche zugeben und mit Pfeffer und Meersalz aus der Mühle abschmecken.

Hausgemachte Baguette frisch aus dem Ofen

3.Gesalzenes Wasser in einem Topf erhitzen und die Frankfurter mit Lorbeerblättern und Nelken auf kleinster Flamme circa 10 Minuten ziehen lassen. Das Rezept für die ofenfrische Baguette findet ihr im vorhergehenden Beitrag in meinem Blog. Bitte plant zur Vorbereitung der Baguette circa 3 Stunden ein. Zum ausgarnieren der Erdäpfelsuppe frischen Schnittlauch in feine Ringe schneiden und über die Suppe streuen.

Erdäpfelsuppe mit Frankfurter und ofenfrische Baguette

Ofenfrische Baguette

Nach eine der zahlreichen Geschichten, die sich um die Entstehung der Baguette ranken, soll der Wiener August Zang, der um 1839 in Paris die „Wiener Bäckerei“ gründete, die Baguette ab 1840 als „Wiener Brot“ verkauft haben. Aus dem Kipferl soll er auch das Croissant entwickelt haben. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts eroberte die Baguette den Pariser Markt und von dort breitete sie sich in allen Städten Frankreichs aus. Seit 1994 wird jährlich der beste Baguette-Bäcker im „Concours de la meilleure baguette de Paris“ ermittelt, der zur Belohnung den Élysée-Palast beliefern darf.

Ob man mit meinem Rezept bei diesem Wettbewerb der Besten antreten sollte möchte ich doch in Frage stellen. Aber über eines bin ich mir bei der Produktion meiner Baguette absolut sicher geworden: eine gute Baguette braucht Zeit, viel Zeit. Selbst die schnelle Version braucht mindestens 3 Stunden. Aber genau das ist es, ja was den Unterschied zur industriell produzierten Backware ausmacht: Zeit!

Nicht die Getreideart ist entscheidend für die Bekömmlichkeit, sondern die Verarbeitungsweise des daraus hergestellten Teiges!

Genauer gesagt ist die Ruhezeit des Teiges von entscheidender Bedeutung. Die Menge an „schädlichen“ Zuckern ist zuerst ansteigend. Die höchsten Gehalte weisen alle Teige nach einer Stunde Teigruhezeit auf. Bedingt durch den Abbau von Stärke und anderer höhermolekularer Zucker durch hefe- und getreideeigene Enzyme steigt der Wert bei allen Getreidesorten zuerst an. Bei längerer Stehzeit werden diese dann mehr und mehr abgebaut. Brot wird durch den Faktor „Zeit“ leichter verdaulich und bekömmlicher. Viele Großbäckereien backen ihre Produkte nach einer Lagerdauer der Teige (Teiglinge) von einer Stunde. Zu einem Zeitpunkt also, an dem sich die größte Menge an schwerverdaulichen Zuckern im Teig befindet.

Ofenfrische Baguette

Baguetteschale

Zutaten für 2 Baguette

  • 300g Weizenmehl
  • 100g feine Semmelbrösel aus altem, getrocknetem Brot
  • 1Tl Meersalz
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 270ml lauwarmes Wasser

1.Neben diesen Zutaten empfehle ich eine sogenannte „Fleximatte“ aus Silikon und eine hitzebeständige Baguetteschale. Beides macht den Umgang mit dem Teigling wesentlich feiner und einfacher. Für den Teig alle Zutaten entweder von Hand oder mit der Küchenmaschine gut verkneten. Beim Umgang mit der Küchenmaschine die niedrigste Stufe verwenden. Der Teig wird wesentlich luftiger und verklebt nicht so sehr.

Teigling

2.Nach dem verkneten den Teigling an einem warmen Ort mit einem Tuch abgedeckt in einer Schüssel für mindestens 2 Stunden ruhen und gehen lassen. Den Teigling nach dem gehen auf einer reichlich mit Mehl ausgestreuten Arbeitsfläche in 2 gleich große Teile mit einer Teigkarte zerschneiden. Aus jedem Teil einen länglichen Strang formen und auf die mit der Fleximatte ausgelegte Baguetteschale geben. Mit der Teigkarte die Teiglinge mehrfach einschneiden.

3.Backofen nun auf 230 Grad aufheizen und den Teig während der Aufheizphase nochmalig gehen lassen. Eine mit Wasser befüllte Schüssel auf den Boden des Backofens stellen und die Baguette für circa 25 bis 30 Minuten kross ausbacken.

Ofenfrische Baguette

Spaghetti alla carbonara

Richtig gute Köche sind heutzutage in dem was sie dürfen, und dem was sie wirklich könnten, sehr eingeschränkt. Und Covid-19 hat die Situation nicht leichter gemacht. In manchen Küchen geht es zu wie in einem Genlabor, mit einer Mischung aus gesetzlich vorgeschriebenen Verordnungen, Angst vor der Eigenverantwortung und mangelndem Mut zum Produkt. Und so geraten immer mehr Gerichte in Vergessenheit, weil sie in der Originalzubereitung nicht mehr „zeitgemäss“ sind. Und als Resultat aus alledem beschwert man sich hinterher noch über die fachliche Qualifikation eines Koches. Spaghetti alla carbonara ist solch ein in Vergessenheit geratenes Gericht.

Ich erinner mich noch gut an den Tag, an dem ein junger Herr mein für ihn zubereitetes Wiener Schnitzel wieder in die Küche zurückgehen ließ: „Der Koch weiß ja garnichts! Der hat schon wieder Fisch auf mein Schnitzel gemacht!“ Tatsache war, das die damals von mir praktizierte klassische Garnitur für ein Wiener Schnitzel, bestehend aus Zitrone, Kapern und Sardelle, diesem jungen Herrn gänzlich unbekannt war. Und bei Spaghetti alla carbonara gehört in der feinen Küche nunmal ein Eigelb als Garnitur nicht in die Sauce, sondern auf die Spaghetti oben auf, damit der Gast sich dieses selber unter die Sauce mischen kann. Ich darf diese Zubereitung in der gewerblichen Gastronomie aus Hygienevorschriften leider nicht mehr praktizieren. Und so erfülle ich mir diesen einzigartigen Geschmack eben in meiner privaten Küche.

Spaghetti Carbonara

Zutaten für 4 Personen

  • 500g Spaghetti aus Hartweizen
  • 150g Guanciale oder Pancetta
  • 100g Pecorino romano oder Parmesan
  • 6 Eidotter (2 für die Sauce und 4 für die Garnitur)
  • natives Olivenöl
  • 3 Knoblauchzehen
  • Meersalz aus der Mühle oder Meersalzflocken
  • schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 1 Bund Schnittlauch

1.Die Hartweizenpasta in reichlich Salzwasser bißfest kochen und vor dem Abgießen eine Kelle Kochwasser beiseite stellen. Den Pancetta in dünne Streifen schneiden, Knoblauch schälen, halbieren, fein hacken. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Pancetta darin anschwitzen. Den gehackten Knoblauch zugeben, zwei Minuten weiterbraten und vom Feuer nehmen.

2.Die 2 Eidotter in einer Schüssel aufschlagen. Pecorino reiben, zugeben und alles mit dem Schneebesen gut verrühren. Den Schnittlauch waschen, trocken schütteln und in feine Ringe schneiden. Die Spaghetti abgießen und mit ca. 50 ml von dem heißem Kochwasser in den noch warmen Topf zurückgeben. Die Pancetta-Knoblauch-Mischung und Schnittlauch zügig unterheben. Dann die Käse-Eimasse darüber gießen und alles  schnell und gründlich durchmengen. Nicht mehr erhitzen. Kräftig mit frisch gemahlenem Pfeffer und gegebenenfalls noch etwas Meersalz aus der Mühle abschmecken. Spaghetti alla carbonara zu gleichen Teilen auf 4 Teller anrichten und mit je einem frischen Eidotter ausgarnieren, sofort servieren.

3.Zum Schluss noch ein kleiner Nachtrag: Die vor allem außerhalb Italiens häufig als „Spaghetti alla carbonara“ angebotenen Nudeln mit Kochschinken, Zwiebeln und Sahne entsprechen in Zutaten und Zubereitung nicht dem italienischen Original.

Serviervorschlag: Spaghetti alla carbonara mit frischem Eidotter

Königsberger Klopse

Aus meiner Reihe „Home Food Made In Austria“ stelle ich euch heute ein echt deutsches Nationalgericht vor, aber nicht ohne die berühmte österreichische Raffinesse. Kaum ein anderes, regionales Gerichte besitzt in Deutschland einen solch hohen Bekanntheitsgrad. Meine Mutter beherrschte die Zubereitung dieser Speise aus Faschiertem aus dem Stegreif. Gelernt hatte sie dies von meinem Vater. Und dieser hatte das Rezept von seiner Mutter, die Köchin war, überliefert bekommen. Und mein Vater war Preusse. Kein Ostpreusse, der eigentlichen Heimat dieses Gerichts, aber doch ein waschechter Preusse, geboren und aufgewachsen in Berlin. Und eine der Leibspeisen eines waschechten Berliners sind eben Königsberger Klopse.

Laut einer Umfrage des Forsa Instituts in Deutschland haben Königsberger Klopse mit 93 Prozent tatsächlich den größten Bekanntheitsgrad unter den regionalen Gerichten. Und so bekannt wie sie sind, so existieren auch genau so viele Rezepte von diesem Gericht. Zwei Zutaten aber dürfen meiner Meinung nach niemals bei der Zubereitung fehlen. Sardellenpaste oder Sardellenfilets, fein gehackt, in den Klopsen und Kapern sowie deren Saft in der Sauce. Ich verfeinere die Sauce gerne noch mit Crème fraîche und verwende Weißwein beim Saucenansatz. Als Beilage empfehle ich hausgemachte Nudeln, Butter-Erdäpfel oder einfach Reis, dazu ein grüner Salat in Rahmdressing mit Dill.

Königsberger Klopse

Zutaten für 4 Personen

  • 500g frisches Faschiertes gemischt
  • 2 Toastbrotscheiben
  • 200ml Milch
  • 1 Zwiebel
  • 2 El Panko Semmelbrösel
  • 2 Vollei
  • 1 El Sardellenpaste
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
  • etwas Milch

Weiters wird benötigt

  • 1 Lt kräftige Brühe, Gemüse oder Rind
  • 1 Zwiebel
  • 3 Piment Körner
  • 3 Lorbeerblätter
  • Pfeffer aus der Mühle

Für die Sauce

  • 60g Butter
  • 60g Mehl
  • 100ml trockenen Weißwein
  • 200ml Schlagobers
  • 150g Crème fraîche
  • 60g Kapern
  • Saft einer halben Zitrone

1.Zwiebel schälen, halbieren und in ganz feine Würfel schneiden. Toastbrot in Milch einweichen. Aus dem Faschierten, dem eingeweichtem Toastbrot, Milch, in einer Schüssel mit den zwei Eiern, Meersalz und Pfeffer aus der Mühle, Panko Semmelbrösel, Zwiebelwürfel und Sardellenpaste einen geschmeidigen Teig kneten. Aus der Teigmasse 12 gleichmässig große Klopse formen. 

2.Zwiebel schälen, halbieren und in feine Würfel schneiden. Brühe in einem Topf aufkochen. Pimentkörner fein hacken und mit den Zwiebeln und Lorbeerblättern zur Brühe zugeben und auf kleiner Flamme ca. 10 Minuten weich köcheln. Mit Pfeffer und eventuell etwas salz noch einmal abschmecken. Hitze auf kleinste Flamme reduzieren und die Klopse in der Brühe für circa 20 Minuten gar ziehen lassen. Lorbeerblätter und die Klopse aus der Brühe herausnehmen, abgedeckt warm stellen.

3.Butter in einem Topf bei mittlerer Hitze zerlassen. Mehl darin anschwitzen. Mit dem Weißwein unter ständigem Rühren ablöschen. Keine Farbe ziehen lassen, wie etwa beim Beuscherl. Die noch warme Brühe nach und nach immer wieder zur Sauce zugeben, leicht aufkochen lassen, bis wieder Bindung entsteht. Den Vorgang solang wiederholen, bis die gesamte Brühe in der Sauce verarbeitet ist. Die Kapern mit dem Saft und Schlagobers hinzugeben. Mit Zitronensaft, Crème fraîche, Meersalz und Pfeffer abschmecken.

Serviervorschlag: Königsberger Klopse mit Butter-Erdäpfeln und grünem Salat in Dill-Rahmdressing
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