Zwetschge, Hühnerflügel, Paprika und Zimt

Die blaue Königin, so wird sie auch ehrfurchtsvoll bezeichnet. Gemeint ist damit die echte Zwetschge. Und sie kann weit mehr als nur Kuchen. Im Tiroler Oberland wird sie nachweislich schon seit dem 16.Jahrhundert kultiviert. Die Stanzer Zwetschge ist sogar im Register der Traditionellen Lebensmittel des österreichischen Lebensministeriums verzeichnet und zählt somit zu den wichtigsten Produkten der Genussregion Österreich.

Und saisonal gesehen ist sie derzeit Top aktuell. Ein Grund mehr mich mit dieser süsslich-säuerlichen Unterart der Pflaume etwas mehr zu beschäftigen. Und süss-sauer war auch mein Stichwort. Denn mit diesen Geschmacksnuancen verbindet sich nicht selten die asiatische Küche. Und so entstand ein wunderbar erfrischendes, trotz des in Öl ausgebackenen Tempurateig, leichtes Herbstgericht, mit Anklängen auf die kommende kalte Jahreszeit.

Die Stanzer Zwetschke, „rundum guat“

Hühnerflügel im Tempurateig mit glacierten Paprika und Zwetschgen

Zutaten für 4 Personen

  • 12St Hühnerflügel
  • 12St Zwetschgen
  • 1 rote Paprika
  • Butter
  • 4cl Pflaumenwein
  • gemahlener Zimt
  • 1El Mirin
  • Meersalz aus der Mühle
  • Kokos Chips (gibt es von Allnatura)
  • frischer Koriander als Garnitur

Für den Temputateig

  • 100g Tempurateig
  • 150ml kaltes Wasser
  • Paprika edelsüß
  • etwas Chili
  • Öl zum ausbacken
  • Meersalz aus der Mühle

Für die Sauce

  • ausgelöste Hühnerknochen
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 50g Karotte
  • 50g Sellerie
  • 200ml Wasser
  • 100ml Rotwein
  • 2El Tomatenmark
  • 1/2 Zimtstange
  • 5 Nelken
  • 2 Lorbeerblätter
  • Sonnenblumenöl
  • 3El dunkle Sojasauce
  • 2El Ketjap Manis
<p class="has-text-align-justify" value="<amp-fit-text layout="fixed-height" min-font-size="6" max-font-size="72" height="80">1.Hühnerflügel von der Haut befreien, das Fleisch möglichst in ganzen Stücken vom Knochen auslösen, bereit stellen. Karotten, Sellerie, Knoblauch und Zwiebel schälen und in Walnuss grosse Stücke schneiden. Öl in einem Topf erhitzen, Hühnerkarkassen darin anrösten. Gemüse und Tomatenmark zugeben und mit anrösten. Mit Wasser ablöschen, Gewürze zugeben und auf mittlerer Hitze langsam alles auskochen. Rotwein zugeben, einkochen lassen. Mit dunkler Sojasauce und Ketjap Manis abschmecken und abschließend durch ein feines Haarsieb passieren.1.Hühnerflügel von der Haut befreien, das Fleisch möglichst in ganzen Stücken vom Knochen auslösen, bereit stellen. Karotten, Sellerie, Knoblauch und Zwiebel schälen und in Walnuss grosse Stücke schneiden. Öl in einem Topf erhitzen, Hühnerkarkassen darin anrösten. Gemüse und Tomatenmark zugeben und mit anrösten. Mit Wasser ablöschen, Gewürze zugeben und auf mittlerer Hitze langsam alles auskochen. Rotwein zugeben, einkochen lassen. Mit dunkler Sojasauce und Ketjap Manis abschmecken und abschließend durch ein feines Haarsieb passieren.

Hühnerflügel, Zwetschge und Tempura….

2.Für den Tempurateig das Mehl mit kaltem Wasser verühren. Mit Chili, Paprika und Meersalz abschmecken. Öl in einem Topf erhitzen. Ausgelöstes Flügelfleisch mit Meersalz würzen. Jedes Fleischteil durch den Tempurateig ziehen und im heißen Öl goldgelb ausbacken. Auf einem Küchenkrepp Öl abtupfen und warm stellen.

3.Paprika und Zwetschgen waschen. Die Zwetschgen halbieren, Kern entfernen und aus jeder Zwetschgenhälfte jeweils eine dicke Scheibe schneiden. Scheiben bereit stellen. Paprika halbieren, Kerne und Grün entfernen, in feine Würfel schneiden. Butter mit Mirin, Pflaumenwein und etwas Zimt in einer Pfanne erhitzen. Mit einem Schneebesen unter ständigem rühren eine cremige Flüssigkeit herstellen. Die Zwetschgenhälfen in die Flüssigkeit geben und bei mittlerer Hitze bissfest glacieren. Zwetschgen auf den vorgewärmten Tellern gleichmässig verteilen, Paprikawürfel in die Pfanne geben und Vorgang wiederholen. Paprika über die Zwetschge geben, ausgebackene Hühnerflügel anrichten und mit Kokos Chips bestreuen.

In Temurateig ausgebackene Hühnerflügel, glacierte Paprika und Zwetschke, Zimt und Kokos Chips

Brötchen, Semmel, Weckerl: Hauptsache hausgemacht!

Mit dem Mehl für meine Semmel ist es wie mit dem Wein, für eine gute Sauce. Wenn ich Dreck reinwerfe, kommt halt auch nur Dreck raus. Gutes Mehl, in Bio Qualität, kostet zwischen 2.- und 3.- Euro/Kg. Der Preis ist sicher nicht ausschlaggebend, wohl aber die Reinheit solcher Mehle. Und im Gegensatz zur Industrieware, weiß ich ganz genau, was in meinen Brötchen, Semmel oder Weckerl drin ist.

Jahrelang hatte ich wirklich einen Heidenrespekt vor jeglicher Backware. Ob Brot oder Semmel, es war mir immer völlig unbegreiflich wie man dies in solch einer hervorragenden Qualität herstellen kann. Heute verrate ich euch gerne 2 wichtige Zutaten, damit auch euch diese Backwaren recht gut gelingen. Zum einen verwende ich nicht mehr die normale Hefe, sondern sogenannte Bäckerhefe. Die geht wesentlich besser auf. Bei einer Gärzeit von mindestens 2 Stunden ist dies sehr wichtig. Zum zweiten verwende ich sogenanntes Backmalz. Dieser natürliche Zusatz sorgt für eine besonders krosse Kruste. Aber achtet beim Kauf bitte darauf, das eurer Backmalz wirklich frei von Zusatzstoffen ist.

Semmelrohlinge…

Hausgebackene Brötchen

Zutaten für circa 12 Semmel à 60g

  • 400g helles Bio Dinkelmehl
  • 100g Semmelbrösel
  • 300ml lauwarmes Wasser
  • 1 Päckchen Trockenhefe
  • 10g Zucker
  • 1Tl Salz
  • 2Tl reines Backmalz, ohne Zusätze

1.Trockenhefe in 300ml lauwarmes und 10g Zucker für circa 15 Minuten gehen lassen, bis die Hefe blasen schlägt. Gesiebtes Mehl, Backmalz, Semmelbrösel und Salz mit einander im Rührkessel vermischen. Aufgelöste Hefe mit dem Wasser zugeben und in der Rührmaschine mit dem Knethaken langsam verkneten, bis ein homogener Teig entsteht. Teig mit einem Küchentuch abgedeckt an einem warmen Platz für mindestens 2 Stunden gehen lassen.

Serviervorschlag: Zur Currywurst mit hausgemachter Curyysauce, ein Traum!

2.Backofen auf 230 Grad vorheizen. Eine Schüssel mit Wasser auf den Boden des Backofens stellen. Aus dem aufgegangenen Teig circa 12 gleichmässige Semmel formen. Semmelrohlinge auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech in ausreichend Abstand setzen. Mit einer Teigware von oben zweimal im 45 Grad Winkel einstechen. Die Rohlinge nochmals für circa 10 Minuten gehen lassen. Im Backofen bei 230 Grad zunächst für 10 Minuten backen. Hitze auf 200 Grad reduzieren und für weitere 25 Minuten fertig backen, abkühlen lassen.

Ofenfrische Semmel, aussen knusprig, innen weich und luftig…

Tiroler Graukäse, im Schwarzkümmel Rösti mit Trockenfleisch und Paprika

Offen gestanden, es war nicht Liebe auf den ersten Blick, das mit dem Tiroler Graukäse und mir, nicht nach einem Jahr, nicht nach fünf. Eigentlich noch nicht lange her, bei einem etwas längeren Aufenthalt im Zillertal, begann mein Interesse an diesem Käse zu wachsen. Es war nicht der Geruch dieses Arme-Leute-Essen aus alten Zeiten, das mich abschreckte. Käse riecht nunmal, und ich liebe Käse! Es war die Struktur, unabhängig vom Reifegrad. Dieses bröselige, das nicht recht meine Gunst und Neugier gewinnen wollte. Vielleicht wird ja genau aus diesem Grund im Zillertal dieser Käse in Krapfen „versteckt“.

Für mein heutiges Gericht habe ich jungen Tiroler Graukäse verwendet, gerade wegen seiner Struktur. Er lässt sich herrlich in die Erdäpfel „bröseln“ und schmilzt in der Pfanne nicht einfach weg, Und der Schwarzkümmel verleiht dem ganzen noch eine geheimnisvolle, orientalische Note. Übrigens darf der Name „Tiroler Graukäse“ in keine andere Sprache übersetzt werden. Er ist durch eine europäische Ursprungsbezeichnung als traditionelles Lebensmittel gesetzlich geschützt.

Tiroler Graukäse

Tiroler Graukäse im Schwarzkümmel Rösti mit Trockenfleisch und marinierter Paprika

Zutaten für 4 Personen

  • 1Kg Erdäpfel
  • 1Tl Kümmel
  • 400g Tiroler Graukäse
  • 4Tl Schwarzkümmel (15-20g)
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
  • Butterschmalz
  • 250g Trockenfleisch vom Rind, dünn geschnitten

Für die Parika

  • 200g kleine gelbe Paprika
  • 200g kleine rote Paprika
  • frischer Rosmarinzweig
  • etwas Gemüsefond
  • 3 Knoblauchzehen
  • natives Olivenöl
  • Meersalzflocken
  • 1Tl Schwarzkümmel
  • weißer Balsamico Essig
  • 1Tl Zucker

1.Erdäpfel am besten einen Tag zuvor garen. Die Erdäpfel hierfür gründlich unter fließend kaltem Wasser waschen. In einem Topf mit reichlich Wasser, Meersalz und Kümmel zugedeckt aufkochen und zur Hälfte garen. Der Kern sollte noch etwas hart und roh sein. Erdäpfel über Nacht abkühlen lassen.

Erdäpfel vom Vortag grob reiben…

2.Am nächsten Tag Erdäpfel schälen, mit einer groben Reibe durchlassen. Tiroler Graukäse, Schwarzkümmel, Meersalz und Pfeffer aus der Mühle in die Erdäpfelmasse einarbeiten. Masse in 4 gleich schwere Teile trennen. Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen, erste Masse darin gleichmässig verteilen und anrösten. Masse wenden und nochmals anrösten bis ein gleichmässig gebräunter und gebundener Rösti entsteht. Rösti auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben und im Backofen bei 60 Grad warm halten. Vorgang für die weiteren Rösti wiederholen.

3.Paprika waschen. Grün und Kerngehäuse entfernen. Knoblauchzehen schälen, halbieren. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Paprika, Knoblauch und Rosmarinzweig darin anbraten, mit etwas Gemüsefond angießen und weich dünsten. Über ein Sieb abgießen, mit weißem Balsamico Essig, Schwarzkümmel, Meersalzflocken, Zucker und Olivenöl marinierten. Im Kühlschrank abkühlen und durchziehen lassen. Der abgekühlte Paprikasalat passt durch seine Frische und Säure hervorragend zu dem doch etwas deftigen Tiroler Graukäse-Rösti.

Trioler Graukäse im Schwarzkümmel-Rösti mit Trockenfleisch

Vorarlberger Kalb: Ländle Kalbsrücken mit Kürbis und Kernöl Risotto

Mit manchen Geschichten ist es wie mit der Werbung, sie klingen schöner als sie in Wirklichkeit sind. Kalb aus Vorarlberg ist so eine Geschichte. Eigentlich wird im westlichsten Bundesland beinah so viel Kalbfleisch produziert, das man damit den gesamten Bedarf von Österreich bedienen könnte. Aber dieses hochwertige Fleisch ist um ein vielfaches mehr wert, wird es für den Export bereit gestellt. Kalbfleisch aus Vorarlberg ist eine beliebte Delikatesse besonders bei unseren schweizer Nachbarn. Während in Deutschland ein Kalb erst nach vollständig ausgebildetem Pansen geschlachtet werden darf, und das Kalb bereits Heu gefressen hat, wird hier in Österreich nach Gewicht geschlachtet. Dies hat auch die allerorten geschätze, deutlich hellere Fleischfarbe zur Folge.

Ohne jeden Zweifel, wir sind im Herbst angekommen. Für mich eine der schönsten Jahreszeiten, nicht nur kulinarisch. Während wir uns schon nach wenigen Tagen im Sommer über wochenlange Hitzeperioden beklagen, freuen wir uns umso mehr über jeden sonnigen Tag in dieser Zeit. Aber so ist das, wenn man etwas im Überfluss hat: es wird alltäglich. Vorarlberger Kalbfleisch ist nicht alltäglich. Und genau das macht dieses Fleisch so kostbar. Es entspricht der Wahrheit, das diese Kälber tatsächlich im Sommer auf saftig grünen Kräuterwiesen auf den Alpen gehalten werden. Und genau diese Wiesen zeichnen sich für den einzigartigen Geschmack von Ländle Kalb verantwortlich.

Vorarlberger Kalbsrücken mit Kürbis und Kernöl Risotto

Saftig zarter Kalbsrücken aus Vorarlberg

Zutaten für 4 Personen

  • 800g Kalbsrücken
  • frischer Thymian
  • 1 Knoblauchknolle
  • natives Olivenöl
  • Meersalz aus der Mühle

Für das Kürbisgemüse

  • 300g Butternusskürbis
  • 50g Kürbiskerne, geröstet
  • Butter
  • Meersalz aus der Mühle

Für das Kernöl Risotto

  • 1,2Liter kräftige Hühnerbrühe
  • 100g Butter
  • 50g Parmesan, gerieben
  • 2 Schalotten
  • 200g Risottoreis (Carnaroli superfino zum Beispiel)
  • 60ml trockener Weißwein
  • 1 Rosmarinzweig
  • 100g kalte Butter, gewürfelt
  • Kürbiskernöl
  • 50g Kürbiskerne, geschrotet, geröstet
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle

1.Kabsrücken mit einem Küchenkrepp abtupfen und von überschüssigen Sehnen und Fett befreien. Mit Meersalz aus der Mühle würzen und mit frischen Thymianzweigen belegen. Backofen auf 120 Grad vorheizen. Knoblauchknolle halbieren, Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Knoblauch auf der Schnittfläche in die Pfanne geben, Kalbsrücken mit Thymian zusammen von beiden Seiten her anbraten, auf ein Gitter setzen und im Backofen bei 56 Grad Kerntemperatur garen. Nach dem Garen Fleisch vom Gitter nehmen, in Alufolie einwickeln und bei 60 Grad im Backofen warm halten.

2.Butternusskürbis schälen, halbieren, Kerne entfernen und den Kürbis in gleichmässige kleine Würfel schneiden. Wasser in einem Topf erhitzen, salzen und die Kürbiswürfel darin für 2 Minuten blanchieren. In Eiswasser abschrecken. Butter in einer Pfanne zerlassen, Kürbis darin kurz anschwitzen, geröstete Kürbiskerne zugeben und mit Meersalz aus der Mühle abschmecken.

3.Die Hühnerbrühe in einen Topf geben und einmal aufkochen, dann leicht köcheln lassen. Schalotten und Knoblauch schälen, halbieren und in ganz feine Würfel schneiden. 50g Butter in einen weiteren Topf geben, erhitzen und schmelzen. Die fein gehackten Schalotten und Knoblauch dazugeben und 5 Minuten sanft garen, bis sie weich und glasig sind. Sie dürfen nicht braun werden. Den Risottoreis nun zufügen, die Temperatur auf mittlere Hitze erhöhen und Risottoreis und Zwiebeln mit einem Löffel umrühren, so das auch hierbei keine Bräunung eintritt. Den Weißwein dazugeben und unter fortwährendem Rühren einkochen und verdunsten lassen. Die Garzeit sollte ab diesem Zeitpunkt bis der Risottoreis drall und weich aber in der Mitte noch bissfest ist cirka 17-18 Minuten betragen. Risotto vom Herd nehmen, geröstete und grob geschrotete Kürbiskerne, Parmesan und Butterwürfel unterrühren. Mit Kürbiskernöl abschmecken. sofort anrichten.

Vorarlberger Kalb auf Kernöl Risotto, Kürbiskernen und Kürbis

Der gute Koch

Ein junger Mann, etwas blass und hager, klopfte einst an meine Küchentür. 15 Jahre jung, unerfahren aber mit dem absoluten Willen eine Ausbildung zum Koch zu durchlaufen. Er stellt sich vor, fast schüchtern, dennoch bestimmt. Er scheint neugierig, auch ein wenig gierig zu sein. Ich erkenne ein kleines Feuer in seinen Augen, nur leicht lodernd, wartend, auf den Moment, an dem es zu einem regelrechten Brand sich entzündet. Ich frage ihn, was er denn gerne mal werden würde. Ohne zu zögern, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, bricht es ungeniert aus ihm heraus: „Fernsehkoch“.

Ich bin jetzt 53 Jahre jung. Seit meiner Ausbildung trage ich in meiner Kochjacke weiße Kochknöpfe. Aber nur die wenigsten wissen heute noch um die Bedeutung dieser Farbe in der Küche. Heutzutage ist ein Koch eine Marke. Manch einer erscheint gar tätowiert von oben bis unten, mit Nasenring, enormen Tunnels in den Ohrläppchen, mit Blut überströmt und einem martialischen Gesichtsausdruck auf offiziellen Werbefotos. All diese Äusserlichkeiten erscheinen in unseren Zeiten wichtiger als ein guter Koch zu sein. Schließlich hat diese Marke ja noch viele kleine Helferlein, die all die kulinarische Arbeit erledigen. Und er hat Sponsoren. Sponsoren, die diese Marke kreieren und fördern. Diese Marke kauft sich seine Profiküche beim „richtigen“ Hersteller, bestellt seinen fangfrischen Fisch beim „richtigen“ Lieferanten und trinkt nur noch das „richtige“ Mineralwasser. Die positiven Bewertungen seiner kulinarischen Schaffenskraft kommen dann fast von ganz allein.

So scheint es denn auch nicht verwunderlich, das eine fachlich und geschmacklich ausgezeichnet zubereitete Gazpacho aus handverlesenen Bio Tomaten, Paprika und hervorragendem Olivenöl, ausgewogen in Geschmack und Konsistenz, niemanden mehr zu einem Zungenschnalzer verhilft. Aber wenn eine Marke eben genau diese Gazpacho mit einer roten Ameise kredenzt, dann jubiliert die gesamte Gastrowelt.

Ja, ein Koch ist ständig auf der Suche nach neuen Wegen wo er hin will. Und ein guter Koch hat Respekt vor den Lebensmitteln, welche er verarbeitet. Er denkt und fühlt sich, so unglaubwürdig dies auch immer klingen mag, in dieses Produkt hinein, versucht den bestmöglichen Geschmack herauszuholen ohne dessen Charakter zu verändern oder gar zu vernichten. Im Fernsehformat „The Taste“ auf Sat 1 wird vor laufender Kamera eine komplette bayrische Ente für 4 minimalistische Amuse Bouche Löffel in ihre Einzelteile zerlegt. Für den Zuschauer zweifelsohne ein bemerkenswertes Spektakel, für den guten Koch jedoch eine echte Herausforderung, muss er sich doch bereits vor Beginn seiner Tätigkeit ganz genau überlegen, wie sinnvoll er die Überreste des Geflügels verarbeiten wird.

Ach ja, da war ja noch der Lehrling vom Anfang. Er verbrachte nach erfolgreicher Beendigung seiner Ausbildung noch ein paar Jahre in meiner Küche und ging dann als stellvertretender Küchenchef in die „Blaue Gans“ in der Getreidegasse nach Salzburg. Dort tat er das, was er bei mir gelernt hatte: mit all seiner Leidenschaft gut kochen.

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