Powidl Pofesen aus Omas Küchenschatz

Nach so viel herzhaftem in meinem Blog wird es wieder mal so richtig Zeit etwas Süßes zu servieren. Der Jahreszeit entsprechend gibt es Powidl Pofesen, die österreichische Variante vom Armen Ritter. Altbackener Brot, in grobe Stücke zerkleinert, in Milch getunkt und in heissem Öl geröstet, dann mit Honig übergossen, so wussten schon die Römer diese Süßspeise zu genießen. In der Österreich-böhmischen Mehlspeisen Tradition hat man dieses Dessert mit entrindetem, süßlichem Brot wie Zopf oder Brioche verfeinert und mit Zwetschgenmus zu einem wahren Gaumenschmaus vollendet.

Ein wenig breche ich in meinem Rezept mit der Tradition von Brioche und Zopf, respektive Striezl wie er hier bezeichnet wird, verwende stattdessen Toastbrot. Zum einen wegen der leichter zu verarbeitenden Form, zum anderen, weil mir dieses Brot schon süß genug erscheint. Als Powidl bezeichnet man übrigens ein stark eingekochtes und konzentriertes Zwetschgenmus, mit extrem hohen Fruchtgehalt und geringer Zuckerzugabe. Pflaumenmus hingegen gilt hier in Österreich als Ersatzbezeichnung für Erzeugnisse, die wegen Verfehlens der Mindestanforderungen von Qualität nicht als Powidl deklariert werden dürfen. Der Zuckeranteil beim Powidl darf maximal 30% vom fertigen Endbetrug betragen.

Powidl Pofesen

Zutaten für 4 Personen

  • 8 Scheiben Toastbrot
  • 80g Powidl
  • 150ml Milch
  • 1Tl Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 2 Vollei
  • Öl zum ausbacken

1.Toastbrotscheiben entrinden. Die Hälfte der Scheiben dick mit Powidl bestreichen und mit einer unbestrichenen Scheibe bündig belegen, mit den Händen vorsichtig leicht zusammendrücken.

Luftiges Toastbrot und Powidl…

2.Die kalte Milch mit Vanillezucker, Salz und Vollei verquirlen. Reichlich Öl in einer Pfanne erhitzen, so dass die Pofesen darin schwimmend ausgebacken werden können. Die zusammengesetzen Brotscheiben einige Sekunden von beiden Seiten her in die Vanillemilch tauchen. Im heißen Öl von beiden Seiten her goldbraun ausbacken.

3.Powidl Pofesen aus dem Öl nehmen und auf einem Gitter abtropfen lassen. Wer Zimt liebt kann diese dann noch mit einer Zucker-Zimtmischung bestreuen. Die Pofesen diagonal durchschneiden, Staubzucker darüber und anrichten. Ich setze sie am liebsten in Vanillesauce, manch einer serviert sie auch gern auf warmen Beeren.

Frisch ausgebackene Powidl Pofese… richtig lecker, und passend zur Jahreszeit

Der süsse Geschmack der Kindheit: Apfelradl in Zimt und Zucker

Köche besitzen im allgemeinen ein recht gutes Wissen. Basierend auf umfangreiche und langjährige Erfahrung, aber auch Allgemeinwissen. Nur, das etwas für uns so selbstverständliches wie Apfelradl seinen Ursprung in Süddeutschland hat, das war mir bis dato auch noch nicht bekannt. Schwabenkinder brachten Rezepte dieser Köstlichkeit aus dem süddeutschen Raum mit in ihre Heimat und verbreiteten sie in den Alpenregionen Österreichs, Lichtenstein und der Schweiz.

Wer kennst sie nicht aus seiner Kindheit? Diese leckeren Apfelradl frisch in heißem Öl und Butterschmalz  ausgebacken, in Zimt und Zucker gewälzt oder bestreut. Der Vielfalt sind mittlerweile kaum mehr Grenzen gesetzt. Es gibt sie in Scheiben oder Stücken, mit Fruchtsaucen oder Eis, Schlagobers, verschiedensten Kompotten, ja sogar mit Grand Manier oder Rum flambiert. Ich wünsche euch allen nun viel Freude und gutes Gelingen mit meinem Rezept.

Apfelradl in Zimt und Zucker mit Tonkabohnen Eis

Zutaten für 4 Personen:

  • 4 säuerliche Äpfel, Boskop oder Braeburn
  • 2 Zitronen
  • Rum
  • Feinkristallzucker
  • Zimt gemahlen
  • Öl oder Butterschmalz zum Ausbacken
  • 350g Mehl
  • 375ml Weißwein
  • 50ml flüssige Butter
  • 3 Eidotter
  • 3 Eiklar
  • Salz
  • 30g Feinkristallzucker

Für das Tonkabohnen Eis

  • 1Lt Obers
  • 8 Eidotter
  • 180g Zucker
  • 1 Tonkabohne

1.Tonakbohnen werden in Südamerika große und magische Kräfte zugesprochen. Jedoch enthalten sie auch Cumarin, einem Toxin. Allerdings verwenden wir die Tonkabohne in meinem Rezept nur als Aromazutat und somit unbedenklich. Deswegen die Tonkabohne grob in den Obers reiben und ziehen lassen. Eidotter und Zucker zwischenzeitlich in der Küchenmaschine schaumig rühren.

2.Obers in einem Topf einmal aufkochen, durch ein Sieb passieren und noch heiß unter kräftigem rühren zum Ei-Zuckergemisch geben. Mit Hilfe eines Wasserbades die Obersmischung zur Rose abziehen. Alles in eine Eismaschine geben und für mindestens 30 Minuten das Eis rühren.

3.Äpfel waschen, schälen und Kerngehäuse ausstechen. Circa 1cm starke Scheiben schneiden und mit Zitronensaft und Rum marinieren. Eier trennen, Eiklar mit 30g Zucker in der Küchenmaschine zu Eischnee schlagen. Mehl, Eigelb, Salz, Weißwein und flüssige Butter zu einem glatten Teig verrühren. Eischnee unter mit einem Spachtel vorsichtig unter den Teig heben. Feinkristallzucker mit gemahlenem Zimt vermengen.

4.Öl in einem Topf erhitzen. Apfelradel nach und nach durch den Backteig ziehen und im Öl goldbraun ausbacken. Apfelradl nach dem Ausbacken abtropfen, von beiden Seiten durch den Zimtzucker ziehen und mit gesiebtem Staubzucker bestreuen.

Frisch ausgebackene Apfelradl ©Michael Stricker

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