Chroniken: Tagebuch einer Quarantäne, Teil 6

Geht es euch auch so, wie geht’s euch eigentlich? Ich habe mich nun nach einem recht geruhsamen Wochenende dazu entschieden, Fernseher und Radio erstmal in das einstweilige Corona-Koma zu versetzten, ich brauch mal ne Pause… aber da hatte ich wohl die Rechnung ohne Puls24 gemacht. Erreichbar bin ich ja eigentlich immer. Ich bin der, der alles über iMac, iPad und iPhone synchron laufen lässt. Ganz gleich ob Anruf, SMS, Skype, WhatsApp, Facebook, Facebook Messenger, Twitter oder Instagram, ich bin im SocialNetwork mehr als ausreichend eingebunden…

In Zeiten wie diesen hat dies aber auch seine Vorteile… man ist nie allein, und irgendwie ist es ja auch ziemlich „up to date“ derzeit, wenn man seine sozialen Kontakte nur noch online via Messenger oder Video pflegt. Auch der österreichische Nachrichtensender Puls24 hat diese Kontaktmöglichkeit am Dienstag, den 24.März 2020 genutzt, ist in Facebook auf meinen Blog aufmerksam geworden, und lud mich ein, in ihrem Sender live ein Interview mit mir zu machen.

Habt ihr irgendeine Vorstellung davon, was einem in diesem Moment durch den Kopf schiesst? Da kannst du noch so erwachsen mit beiden Beinen fest am Boden stehend mit allen Wassern gewaschen sein, LIVE, das ist eine ganz andere Nummer. Um 11.28 Uhr erreichte mich die Nachricht über meinen Blog in Facebook von Magdalena Punz, Redakteurin bei Puls24. Und ja, ich brauchte allen ernstes 20 Minuten über diese Anfrage erst einmal nachzudenken. Und natürlich hab ich auch Freunde, online versteht sich, um Rat gefragt. Ja, tut mir leid, ich bin keiner von diesen, die jede, aber auch wirklich jede Gelegenheit schamlos ausnutzen, nur um FAME zu werden. Ich hinterließ also Frau Punz meine Rufnummer, kaum abgeschickt, kam schon der Anruf.

Wir sprachen recht ausführlich, Frau Magdalena Punz verstand es wirklich recht gut Vertrauen aufzubauen. Fakt ist, um 17.00 Uhr ging das ganze live über den Sender. Ob’s gut war? Weiß ich nicht, bzw. kann ich nicht beurteilen:

Das Video in voller Länge gibt es hier zu sehen

Am nächsten Tag schickte mir Frau Punz noch wie zuvor versprochen den Link zur Sendung. Das Video war zwischenzeitlich vom Sender online gestellt. Ich kann euch versichern, es ist eine Erfahrung, die ich um keinen Preis missen möchte. Das Einzige, was mich ein wenig bedrückt, ist die Tatsache, das ausgerechnet solch widrige Umstände, wie sie derzeit auf Grund einer Weltpandemie herrschen, dazu führen, so etwas erleben zu dürfen.

Fortsetzung folgt…

Home Food Made In Austria

Über mich…

Geboren 1967 in Bülach, Kanton Zürich, Schweiz, als Kind deutscher Eltern, Mutter aus Essen und Vater aus Berlin, bin ich im württembergischen Allgäu, einer ländlich geprägten Region,  in Bad Wurzach um genau zu sein, wohl behütet aufgewachsen. Im jugendlichen Alter von 20 Jahren erfolgreich die Allgemeine Hochschulreife am Salvatorkolleg im Heimatort abgelegt, sollte es ein Jahr später hinaus in die große, weite Welt, nach Heidelberg, du feine, mit Freundin, Sack und wenig Pack gehen, Studium in Germanistik und Soziologie war angesagt.

Grund hierfür war meine erste Leidenschaft: Journalismus. Schon während dem Abitur arbeitete ich nebenbei für die regionale schwäbische Zeitung und dem damals angesagtesten Radiosender in der Region, Radio7. Ja, und die Freundin? Die hatte damals gerade in einem Kisslegger Landgasthof ihre Ausbildung zur Köchin erfolgreich beendet. Initialzündung? Weit gefehlt! Ich war bis dato immer der Gourmet. Einer derer, die lieber die Resultate erfolgreicher Küchenarbeit anderer, bei Tisch und Stuhl gemütlich im Restaurant oder Hotel degustieren. Halt ein verwöhnter Sohn aus gehobener Mittelstandsschicht. Aber, ich habe gelernt zu arbeiten, und das nicht erst in der Ausbildung zum Koch. Während des Studiums brachte ich nicht selten sieben Tage die Woche im „Güldenen Schaf “ zu Heidelberg, mitten auf der Hauptstraße, zu. Das ist die Fußgängerzone in Heidelberg, also die Touristenmeile. Wer es nicht glaubt kann sich gerne mal nach einer durchzechten Partynacht in der „Tangente“ oder dem „Cave 54“ morgens um 06.00 Uhr vor der Heiliggeistkirche von einer Horde mit Atemschutz bewaffneter Japaner über den Haufen rennen lassen. Genau so wird es geschehen…

Und ja, es war eine tolle Zeit! Und sie wurde immer besser… Initialzündung? JA! Aber nicht wie ihr jetzt denkt. Nein, ungelogen geschehen bei einer Vorlesung über linguistische Textanalyse im Palais Boisserrée, der Germanistischen Fakultät, in der angeblich schon Johann Wolfgang Goethe gelebt haben soll. Steht zumindest auf einer Gedenktafel am Haus. Die Gretchenfrage war: was machst du eigentlich hier??? Ich hatte es schlicht und ergreifend satt unaufhörlich mit theoretischem Wissen geschwängert zu werden, ich musste raus!

Regional ist gut

Also ab nach Hause, Freundin interviewt, wo man eine wirklich gute Ausbildung zum Koch in Region machen könne. Antwort: keine Ahnung. Aber setz dich doch mal mit Thomas in Verbindung. Thomas war Küchenmeister, gerade geworden, an der Hotelfachschule in Heidelberg. Und Thomas meinte, ruf da mal an. Gemeint war ein kleines Haus, mitten im Odenwald, ja, da sagen sich wirklich Fuchs und Hase Gute Nacht, am Ende einer Straße, wo es nicht mehr weiterging, 1 Stern im Guide Michelin, 16 Punkte im Gault Millau, dem damaligen Mekka aller Feinschmecker in der Region, dem Goldenen Pflug zu Eiterbach!. Ich tat genau das was Thomas mir empfohlen: angerufen, Samstags Vorstellungsgespräch, eine Woche später Sonntags Ausbildungsvertrag unterschrieben, Alter 28 Jahre. Und 2 1/2 Jahre später durfte ich mich nach deutschem Recht der IHK Rhein-Neckar „Koch“ nennen. Zwischendurch besorgte ich mir noch eine Aushilfsbeschäftigung für zwei Tage die Woche, um mir das Geld für die Ausbildung zu verdienen, im Weißen Bock in Heidelberg, bei Jürgen Merz. Kein Tag frei, kein Urlaub, 2 Jahre lang. Wenn ich im Weißen Bock bei Ans, dem damaligen Souschef anrief, um ihm meinen Urlaub mitzuteilen, damit ich etwas mehr dort arbeiten konnte, war die kurze aber sehr einprägsame Antwort: „ja, dann komsch“. Und ich: „Wie jetzt? Den ganzen Urlaub?“ Antwort: „Willsch oder willsch net?“ Nein, ich hatte keine Fragen mehr.

Und drei Monate nach Ausbildungsende war ich selber dann stellvertretender Küchenchef, In Viernheim, in einem 4****Sterne Businesshotel. Nichts besonderes, aber immerhin Souschef mit einem damaligen Gehalt von sage und schreibe 3000.- DM damals. Das war noch Geld….

Und im Mai 2000 erfolgte dann der Sprung nach Österreich, Salzburg. WOW! Tolle Stadt. Erste Position: Chef Tournant. Dann ging’s das erste Mal in die Berge, zum ersten Mal Saison, Winter, nach Schruns im Montafon, Vorarlberg. Das Niveau stieg wieder rasant an: Küchenchef Josef Krischan, 2 Hauben, 16 Punkte, und ich sein Souschef. Ein Gott am Herd! Nicht viele haben mir so imponiert und mich so geprägt wie er, Leidenschaft pur.

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Dann das erste Mal im Traumhotel in rosa (ich war insgesamt drei Mal dort)! Kennt ihr bestimmt: 5*****Liebes Rot-Flüh im Tannheimer Tal, Tirol. Erst Souschef, dann 1/2 Jahr später Küchenchef. Damals lebte noch Renate Huber, die Seniorchefin. „Genau so muss ein Dressing schmecken!“ war eines Ihrer Komplimente, welche ich nie vergessen habe. Ein gastronomischer Urgestein, gleich Ihrem Mann, den ich aber leider nicht mehr kennenlernen durfte. Als dieser Pionier des österreichischen Tourismus auf die Idee kam, auf 1200m Seehöhe einen Außenpool zu bauen, erklärten ihn die Einheimischen für endgültig verrückt. Und heute macht’s jeder. Ist wie mit Franz Keller. Den hat man auch für verrückt erklärt, als er in der 80er Jahren Weißwein nicht mehr wie allgemein üblich im Holzfass, sondern im Stahltank ausbaute. Und heute macht’s jeder, also so gut wie jeder.

Ab 2003 wurde ich dann „fast“ sesshaft. Wieder im Montafon, aber noch weiter oben, mitten in den Bergen, auf beinahe 1500m Seehöhe, in der „Heimspitze“ in Gargellen, 9 Jahre lang. Und da kamen dann die Auszeichnungen, Hauben, Kochlöffel, Bestecke. Alles in allem Platz 20 in Vorarlberg und Platz 93 von ganz Österreich. Danach wollte ich ruhiger werden. Aber bei meiner Vorgeschichte nahm mir das keiner mehr ab, die Anforderung und Ansprüche an mich blieben die selben, wie eh und je. Und dann, 2014 wurde ich tatsächlich sesshaft, in Tirol! Kochen tue ich heute noch am liebsten, wann immer es mich „reißt“, mal alleine, mal mit Freunden, aber immer mit meiner ganzen Liebe zum Kochen.

Regional ist gut

Diesen Blog nun habe ich mit ebenso viel Liebe und Herzblut aufgebaut und betreibe ihn seit beinah 4 Jahren. Sicherlich waren die Anfänge recht unbeholfen. Bilder und Videos wurden damals noch mit dem Handy aufgenommen. Aus heutiger Sicht eher nicht wirklich professionell. Aber ich habe mich auch dazu entschieden diese Zeugnisse meiner Entwicklung weiterhin auf diesem Blog zu belassen. Neben diesem Blog schreibe ich noch 5 mal die Woche Rezepte mit Bildern für ein Wiener Online Gastromagazin. Nein, es wird mir nicht fad. Und fad soll es euch auch nicht werden. Deshalb stelle ich euch gerne weiterhin meine Beiträge zur Verfügung in der Hoffnung euch eine kleine Freude damit zu bereiten!

Euer Michael Stricker

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