Ernährung, Allergien und Genuss

Ernährung ist, neben Genuss und all meinen leckeren Rezepten, doch immer auch ein Hauptbestandteil unseres Daseins. Ernährung ist mitverantwortlich wie es uns geht, wie motiviert oder leistungsfähig wir sind. Und „Wohlstandsernährung“ bedeutet in unserer Zeit nicht mehr zwangsläufig ein kleines Bäuchlein anzusetzen um der ganzen Welt zu zeigen wie gut es uns doch geht. Wohlstandsernährung heutzutage ist die bewusste Wahl und Auswahl unserer Lebensmittel. Wir entscheiden heute nach Herkunft, Nährwert, Bio, CO2 Abdruck, ja selbst zwischen tierisch und vegetarisch, wobei wir selbstverständlich keine der möglichen Allergien ausser acht lassen wollen.

Manchmal frage ich mich als professioneller Koch, ob meine Gäste zuhause in ihren privaten Küchen den selben Aufwand betreiben, wie Sie es von mir in einer Hotelküche erwarten oder gar verlangen. Ob Sie mit gleichem finanziellen Aufwand sich täglich einen ganzen Liter Mandelmilch gönnen, ausschließlich Bio-Produkte Ihre Einkaufskörbe füllen, und an der Fischtheke vom Fachverkäufer sich versichern lassen, dass der Wolfsbarsch tatsächlich Angel- und nicht Massenware aus dem Atlantik ist. Aber wer weiss schon, das 95% aller in unserer Region zum Verkauf angebotenen Jakobsmuscheln aus China stammt, gleich wie Dosentomaten oder das daraus produzierte Tomatenmark.

Vegetarisches Chili im glutenfreien Tortilla, Landfrischkäse und Guacamole

Zutaten für 4 Personen:

  • 4 glutenfreie Tortilla (gibt es im Handel z.B. von der Fa. Schär)
  • 2 Dosen geschälte Tomaten, stückig
  • 1 Dose Kidney Bohnen
  • 1 Dose Zuckermais
  • 2 Zwiebeln
  • 3 Knoblauchzehen
  • 1/2 Tl gemahlener Kreuzkümmel
  • 2 Tl Oregano
  • 2 El Tomatenmark
  • 1 Tl getrocknete und geschrotete Chilischoten
  • Meersalz aus der Mühle
  • schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 1 El Rohrzucker
  • 0,5Lt Gemüsefond
  • etwas natives Olivenöl zum anbraten

Für die Guacamole

  • 2 reife Bio Avocados
  • 1 Limette
  • 1 Knoblauchzehe
  • Meersalz aus der Mühle
  • schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • etwas frisches Koriandergrün
  • 1 El Naturjoghurt
  • 1 Tomate

Weiters wird benötigt

  • 1 Becher Landfrischkäse
  • 1 Eisbergsalatkopf

1.Für das Chili sin carne Zwiebeln und Knoblauch schälen, halbieren und in feine Würfel schneiden. Olivenöl in einem Topf erhitzen, Zwiebeln und Knoblauch darin farblos angehen lassen. Oregano und Kreuzkümmel zugeben und kurz mit angehen lassen. Das Tomatenmark zufügen und leicht karamelliesieren. Mit dem Gemüsefond angießen und kurz eindicken lassen. Tomaten aus der Dose zugeben und alles zusammen auf kleiner Flamme langsam einkochen lassen, damit sich der Geschmack entwickeln kann. Zuckermais und Kidneybohnen über ein Sieb abgießen und zur Tomatensauce zugeben, mit Zucker, Meersalz und Pfeffer aus der Mühle abschmecken.

Solch eine Ernährung macht nur Sinn, wenn wirklich eine schwere Erkrankung, wie Zöliakie, vorliegt.

2.Für die Guacamole die Avocados halbieren, den Kern entfernen. Mit einem Löffel das Fruchtfleisch herauslösen, mit einer Gabel zu sehr feinem Mus zerdrücken. Tomate vierteln, Kerngehäuse herausschneiden, und die Filets in feine Würfel schneiden. Knoblauchzehe schälen, halbieren, und in ganz feine Würfel hacken. Die Tomatenwürfel, den Limettensaft, Knoblauch und Joghurt zum Avocadosmus geben und alles kräftig miteinander verrühren. Mit Meersalz und Pfeffer aus der Mühle abschmecken. Koriandergrün grob hacken und unter die Guacamole mischen.

3.Eisbergsalat halbieren, vierteln, Strunk herausschneiden und den Salat in feine Streifen schneiden. Die glutenfreie Tortilla nach und nach in der Mikrowelle kurz temperieren und mittig auf vorgewärmten Tellern anrichten. Eisbergsalat auf die eine Hälfte der Tortilla großzügig verteilen, das heisse Chili sin carne darauf geben, Landfrischkäse und Guacamole mit einem Löffel auf das Chili geben, zuklappen, ausgarnieren, sofort servieren. Übrige Guacamole in kleine Schälchen abfüllen und zum Chili reichen.

Lecker geht auch glutenfrei und vegetarisch: Chili sin carne im Tortilla mit selbstgerechter Guacamole

Wenn die Gastro langsam wieder hochfährt…

Es ist das letzte Wochenende, bevor ich endlich wieder in der professionellen Hotellerie und Gastronomie hier in Österreich in der Tätigkeit als Küchenchef meinen Beruf ausüben darf. Wohl gemerkt „darf“, denn monatelang wurde uns Köchen von staatlicher Seite her ein offizielles Berufsverbot erteilt, mit wenigen Ausnahmen. Wobei die vorgezogene Öffnung der Gastro im Bundesland Vorarlberg, wohl als Probelauf für den restlichen Teil des Landes angedacht, die Aufsehen erregendste der letzten Monate war. Aber selbst hier blieb es jedem Betreiber selbst überlassen, ob er unter den ihm vergebenen Auflagen aufsperrt, oder aus Gründen der Unrentabilität seinen Betrieb weiterhin geschlossen hält.

Nun ist es endlich soweit. Wir dürfen wieder kochen, ganz offiziell. Zwar wird dieses kochen und Beherbergen weiterhin mit entsprechenden Auflagen einhergehen, aber dennoch ist es ein Licht am Ende des Tunnels. Und die Prognosen für einen guten Geschäftsgang sind nicht schlecht. Am kommenden Montag darf ich nach 6 Monaten privat kochen das erste Mal wieder meine Kochjacke anziehen, den Herd entzünden, Lieferanten und Kundenbetreuer empfangen, organisieren, produzieren und, was ganz wichtig ist, ab dem 19.Mai 2021 hier in Österreich auch Gäste empfangen.

Wir sind bereit….

Mit Blick in die Zukunft musste ich in den letzten Tagen auch des öfteren an die jüngste Vergangenheit denken. Selten habe ich in meinem Leben soviel „umsonst“ gearbeitet, Menüpläne entworfen, aus Gründen der Politik wieder verworfen oder ad acta gelegt, dennoch an Meetings und Telefonate voller Euphorie teilgenommen, wochenlang Medienberichte verfolgt, Verlautbarungen und Entscheidungen vernommen, Prognosen geglaubt, nur um dann wieder feststellen zu müssen, dass sich doch noch nichts ändert. Nicht selten kam es vor, dass ich von alledem was um mich herum geschah nichts mehr wissen wollte, mich von allen digitalen Helfern „entgiftete“ und nur noch dem Prinzip der Unterhaltung folgte, jegliche potentielle Belastungsquelle ausblendend.

Dann erreichte mich die Meldung, dass ich am Freitag, den 16.April 2021 um 9.45 Uhr meine 1.Impfung erhalten sollte. Zudem ließ unsere Regierung verlautbaren, dass bei gleichbleibendem oder zurückgehendem Infektionsgeschehen es zur Öffnung von Gastro, Hotellerie und Freizeiteinrichtungen am 19.Mai kommen werde. Irgendwie erschien mir diese Nachrichten wie ein Befreiungsschlag. Ja, ich gestehe, ich war einer derer, die sich monatelang an alle Vorschriften und Auflagen gehalten hatte. Einer, der brav seine FFP2 Maske aufsetzt, sich einen Einkaufswagen nahm unabhängig davon, ob er selbigen nur mit zwei Produkten bestückte oder mit einem Grundeinkauf befüllte, der sich an die Ausgangsbeschränkungen hielt und sich regelmässig testen ließ.

Nicht selten habe ich mich über die Unvernunft mancher Zeitgenossen, aus welchen politischen Lagern sie auch immer kamen, richtig geärgert. All die Corona Parties und Pandemie Leugner, Verschwörungstheoretiker und Besserwisser. Ich empfand euch wirklich nicht als Hilfe oder Bereicherung in dieser schweren Zeit, wohl eher als eine völlig unnötige Bremse zur Bekämpfung und Beseitigung dieses Ausnahmezustandes. Habt ihr euch nur ein einziges Mal Gedanken darüber gemacht, wie hoch unsere finanziellen Verluste auf Grund eures subversiven Handelns waren? Wieviele, wirklich gute Mitarbeiter der Gastronomie und Hotellerie aus wirtschaftlichen Gründen, den Rücken zugewandt und sich in anderen, geöffneten Bereichen der Wirtschaft eine neue Basis geschaffen haben? Und das wo die Gastronomie hier in unserem Land doch als die sicherste und beständigste Branche überhaupt gilt!

Schon bald darf ich so wieder für unsere Gäste kochen: Geschmorte Entenkeule, Rotkraut, Trüffel, Serviettenknödel

Ich bin nicht wirklich ein politischer Mensch, auch wenn ich das politische Geschehen um mich herum sehr stark verfolge. Politik und kochen hatten bis jetzt aus meinem Verständnis heraus keinen gemeinsamen Nenner. Dies hat sich nun aber grundlegend verändert. Und in diesem Bewusstsein werde ich künftig meinen Beruf ausüben. Corona hat uns und die ganze Welt verändert, ob wir es nun wahr haben wollen oder nicht. Und Corona ist auch kein „Geschäft“, auch wenn manch einer aus dieser Pandemie seinen ganz persönlichen finanziellen Vorteil versucht war herauszuziehen. Ob nun in der Beschaffung oder mangelhaften Produktion von Schutzmasken, unqualifizierten Testlaboren, dem Handel oder der Lebensmittelindustrie, für die ganz plötzlich das Thema Regional einer Lizenz zum Gelddrucken gleich kam.

Regional bedeutet für unsere Gastro eine echte Chance wettbewerbsfähig zu sein. Regional ist authentisch, einzigartig, und es ist einer der Hauptgründe, warum uns so viele Gäste aus aller Welt besuchen. Regional ist wie der Eiffelturm oder das Taj Mahal. Es gibt diese Dinge nur einmal an einem ganz bestimmten Ort dieser Welt. Und wenn man sie importiert, dann nur als Souvenir um sich an der Erinnerung zu erfreuen. Für mich ist dieser „Eiffelturm“ unsere Küche, kreativ und fachlich auf sehr hohem Niveau mit Produkten die, sicherlich nicht alle, aber mehrheitlich direkt aus der Region stammen. Dafür sind wird bekannt und berühmt in der ganzen Welt. Für die herausragende Qualität von Fleisch und Milch, deren Veredelung, für Wein, Edelbrände, Käse und Milchprodukte, und ganz wichtig, für die Umgebung aus der wir all diese Schätze schöpfen. Das ist die richtige Politik für einen Koch.

Echtes Homefood Cooking hat auch seine guten Seiten: Rösti Burger mit Lachs und Senfcreme

Chroniken: Tagebuch einer Quarantäne, Teil 2

Rückblick: Es ist Freitag. Freitag, der 13.März 2020 und ich bin in Zürs am Arlberg im Hotel Arlberghaus. Es ist 08.00 Uhr. Aufstehen ist angesagt, um 09.00 Uhr ist Dienstbeginn in der Küche, um 09.30 Uhr ein ausserordentliches Abteilungsleiter Meeting und um 11.00 Uhr dann Meeting mit allen Mitarbeitern und Patron im Restaurant. Spätestens jetzt wird sich auch jetzt das letzte sorglose Gemüt des Hauses der Lage bewusst: Covid-19 ist allgegenwärtig.

Das Abteilungsleiter Meeting wird kurz und knackig. Man spürt, das man nichts genaues weiss, sich aber dennoch bewusst ist, so schnell als möglich zu handeln. Handeln heisst zu diesem Zeitpunkt noch „geordneter Rückzug“. Für die Küche bedeutet dies, den Saisonputz zu starten mit all dem was nicht mehr für einen reibungslosen Ablauf unbedingt benötigt wird, Lebensmittel fachgerecht zu versorgen, und für die Dauer des Putzens Mitarbeiteressen in ausreichender Menge bereit zu stellen. Die Dauer eines solchen Saisonputzes beläuft sich im Hotel Arlberg im Normalfall auf 2 bis 3 Tage maximal.

Zwischenzeitlich mehrer Gespräche mit dem Patron geführt, auch was die Rückführung unserer Mitarbeiter aus dem Ausland anbelangt. Alles scheint seinen gewohnten Gang zu gehen, auch wenn weitaus mehr Lebensmittel an diesem Saisonende noch zu verarbeiten sind, als es normalerweise der Fall ist. Vorausschauende Lieferanten haben freundlicherweise tags zuvor oder am Freitag angerufen, ob sie die bestellte Ware überhaupt noch liefern sollen. Nein, es wurde alles storniert. Und jeder zeigte sich hierfür verständnisvoll.

Dann ein vertrauliches Gespräch mit meinem Patron: ich soll bitte Sorge dafür tragen, das wir am Samstag, spätestens Sonntagmorgen mit dem Saisonputz fertig sind und alle Lebensmittel versorgt sind. Ich kann zu diesem Zeitpunkt nur erahnen, welche Sorgen meinen Patron bedrücken und welche Informationen er bereits besitzt. Fakt scheint jedoch zu sein, das Zeitfenster für den bisher geplanten „geordneten Rückzug“ wird von Stunde zu Stunde kleiner.

Die Wahrscheinlichkeit, das nun auch der gesamte Arlberg unter Quarantäne gestellt wird, wird von Minute zu Minute wahrscheinlicher. Ich spreche ihm gegenüber meine Vermutung aus, und er verneint sie nicht. Wieder zurück in der bereits einer Baustelle gleichenden Küche suche ich das Gespräch mit meinen Mitarbeitern. Interessanterweise reagieren alle sehr besonnen und ruhig auf die Neuigkeiten und lassen keinen Zweifel daran, dass sie, meinen Worten folgend, auch bereit sind bis in die Nacht hinein zu arbeiten, um eine Abreise am Sonntag zu ermöglichen.

Samstag, den 14.März 2020: Zu diese Zeitpunkt haben wir noch 4 Gäste im Haus. Alle anderen sind bereits abgereist. Mit ein wenig Geschick gelingt es, auch diese noch davon zu überzeugen, das es besser wäre jetzt den Heimweg anzutreten. Somit ist die Küche frei, kein Abendessen und kein Frühstück mehr. Wir können durchstarten. Und auch wenn es noch am Vormittag geheißen hat, man soll nur das unbedingt notwendige putzen um möglichst schnell fertig zu werden, so habe ich doch eher den Eindruck, das sich wirklich jeder größtmögliche Mühe gibt, den Arbeitsplatz ordentlich und sauber zu verlassen.

Ein Saisonputz ist eine aufwendige Angelegenheit. Dies kann bis zum zerlegen mancher Geräte gehen um sie wirklich von allem restlos zu befreien, was sich im Laufe einer Saison angesammelt hat. Und Backöfen, Herd, Kombidämpfer, Hold-O-Maten, Tellerrechauds, Dunstabzugshaube, Kühlhäuser, Pizzaöfen, Tiefkühler, Magazin, Vakuumgerät, Mikrowelle, Geschirr und Silber an einem Tag komplett zu bewerkstelligen ist unter normalen Umständen gelinde gesagt ein „Ding der Unmöglichkeit“.

Es ist 20.30 Uhr, und es ist alles sauber, die Lebensmittel sind versorgt und obwohl eine schwere Last von einem abgefallen ist, herrscht doch eine bedrückende Stille. Die bereits Wochen zuvor organisierte Magnumflasche Champagner, welche als Dank für die tolle Saison angedacht, bleibt ungeöffnet im Kühlhaus. Es gibt keinen Grund zur Freude, nur eine Art Befriedigung, das man es geschafft hat, und alle morgen pünktlich abreisen können. Ich bin in meinem Zimmer und verspüre den Wunsch mein Auto bereits heute Nacht schon zu beladen um morgen früh sofort starten zu können. Ich muss Platz lassen in meinem Auto, denn ich habe unserem Rezeptionisten versprochen ihn zum Bahnhof nach Langen zu führen. Er will nach Wien, seiner Heimatstadt. Und seit Tagen plagen ihn Ängste, das Wien geschlossen wird. Gerüchte sind dieser Tage vieler im Umlauf…zu viele…

Fortsetzung folgt….

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