Safran: Das teuerste Gewürz der Welt, mit Saltim bocca vom Wels

Wer in Asien weder lesen noch schreiben kann, orientiert sich an der Farbgebung von Etiketten an Lebensmitteln. Ist eine Flasche mit Sojasauce zum Beispiel mit einem gelben oder goldenen Etikett versehen, so handelt es sich hierbei um ein besonders hochwertiges Produkt. Allein die Farbe gelb ist schon Luxus. Im Alten Orient gehörten gelbe, nicht selten mit Safran eingefärbte Kleidungsstücke zum Herrschergewand. Und in der griechischen Mythologie wurde das tragen von safrangelben Kleidungsstücken von Göttinnen und Herrscherinnen bezeugt. Bis Zum heutigen Tage gelten weltweit auf das Fälschen oder Verschneiden von Safran hohe Strafen.

Auch wenn diese Krokusart ihren Ursprung im Orient findet, so ist Safran doch mittlerweile, abhängig von Wetter und Temperatur, im Mittelmeeraum, Deutschland, ja sogar der Schweiz und in der Wachau in Österreich verbreitet. Den größten Marktanteil mit 91% besitzt aber nach wie vor der Iran mit einer Jahresproduktion von circa 180 Tonnen. Aus dem arabisch-persischen rührt auch sein Name zaʿfarān, „das Gelbe“. Es mag sein, das es preiswertere Möglichkeiten gibt Lebensmittel gelb einzufärben, aber Safran besitzt einen einzigartigen bitteren, herben leicht scharfen Geschmack, der durch nichts zu ersetzen ist. Nur solltet ihr darauf achten, dass Safran bei längerem kochen sein Aroma verliert. Ebenso sollte er vor Licht und Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden.

Saltim bocca vom Wels auf Safran Risotto

Zutaten für 4 Personen

  • 500g Welsfilet
  • 1 Bund frischer Salbei
  • 8 Scheiben dünnen geschnittener Prosciutto
  • Butter
  • natives Olivenöl
  • Meersalz aus der Mühle
  • Kirschtomaten für die Garnitur
  • 1g Safran

Das Rezept für das Risotto findet ihr hier. Bitte plant circa 20 Minuten Garzeit für das Risotto mit ein. Anstatt der Trüffel verwendet Ihr Safranfäden. Die Fäden vorher in etwas Weißwein einweichen und erst 6 Minuten vor dem Ende der Garzeit zufügen. Dann habt ihr das volle Aroma und eine sehr intensive Gelbfärbung.

1.Salbei waschen und Blätter von den Stilen zupfen. Kirschtomaten waschen und von der Rispe mit einer Schere abschneiden, so das immer etwas Grün an der Tomate verbleibt. Die Welsfilets unter fließend kaltem Wasser abwaschen, mit einem Küchentuch trocken tupfen. Die Filets der Länge nach gleichmässig halbieren und in 10cm lange Stücke schneiden. Zwei Stück pro Portion. Jedes Filetstück leicht salzen und mit einem großen Salbeiblatt belegen, den Prosciutto fest um das Filet wickeln.

2.Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, die Filets gleichmässig von beiden Seiten her anbraten, im vorgeheizten Backofen abgedeckt bei circa 80 Grad warm halten. Reichlich Butter in der Pfanne zerlassen, gezupfte Salbeiblätter zugeben und die Kirschtomaten darin kurz abschwenken, bis die Haut aufzuplatzen beginnt. Mit Meersalz aus der Mühle würzen und sofort aus der Pfanne nehmen und warm stellen. Salbei aus der Pfanne mit der Butter in einer Schüssel geben und mit dem Stabmixer fein pürieren.

3.Das fertig gegarte Safranrisotto auf vier vorgewärmte Teller mittig anrichten, mit jeweils 2 Welsfilets belegen. Die geschmolzenen Kirschtomaten anlegen, die Salbeibutter ein wenig als Garnitur um das Risotto herumlaufen lassen.

Zur Sommerzeit ein nicht nur kulinarischer Traum: Saltim bocca vom Wels auf Safran Risotto

Königsberger Klopse

Aus meiner Reihe „Home Food Made In Austria“ stelle ich euch heute ein echt deutsches Nationalgericht vor, aber nicht ohne die berühmte österreichische Raffinesse. Kaum ein anderes, regionales Gerichte besitzt in Deutschland einen solch hohen Bekanntheitsgrad. Meine Mutter beherrschte die Zubereitung dieser Speise aus Faschiertem aus dem Stegreif. Gelernt hatte sie dies von meinem Vater. Und dieser hatte das Rezept von seiner Mutter, die Köchin war, überliefert bekommen. Und mein Vater war Preusse. Kein Ostpreusse, der eigentlichen Heimat dieses Gerichts, aber doch ein waschechter Preusse, geboren und aufgewachsen in Berlin. Und eine der Leibspeisen eines waschechten Berliners sind eben Königsberger Klopse.

Laut einer Umfrage des Forsa Instituts in Deutschland haben Königsberger Klopse mit 93 Prozent tatsächlich den größten Bekanntheitsgrad unter den regionalen Gerichten. Und so bekannt wie sie sind, so existieren auch genau so viele Rezepte von diesem Gericht. Zwei Zutaten aber dürfen meiner Meinung nach niemals bei der Zubereitung fehlen. Sardellenpaste oder Sardellenfilets, fein gehackt, in den Klopsen und Kapern sowie deren Saft in der Sauce. Ich verfeinere die Sauce gerne noch mit Crème fraîche und verwende Weißwein beim Saucenansatz. Als Beilage empfehle ich hausgemachte Nudeln, Butter-Erdäpfel oder einfach Reis, dazu ein grüner Salat in Rahmdressing mit Dill.

Königsberger Klopse

Zutaten für 4 Personen

  • 500g frisches Faschiertes gemischt
  • 2 Toastbrotscheiben
  • 200ml Milch
  • 1 Zwiebel
  • 2 El Panko Semmelbrösel
  • 2 Vollei
  • 1 El Sardellenpaste
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
  • etwas Milch

Weiters wird benötigt

  • 1 Lt kräftige Brühe, Gemüse oder Rind
  • 1 Zwiebel
  • 3 Piment Körner
  • 3 Lorbeerblätter
  • Pfeffer aus der Mühle

Für die Sauce

  • 60g Butter
  • 60g Mehl
  • 100ml trockenen Weißwein
  • 200ml Schlagobers
  • 150g Crème fraîche
  • 60g Kapern
  • Saft einer halben Zitrone

1.Zwiebel schälen, halbieren und in ganz feine Würfel schneiden. Toastbrot in Milch einweichen. Aus dem Faschierten, dem eingeweichtem Toastbrot, Milch, in einer Schüssel mit den zwei Eiern, Meersalz und Pfeffer aus der Mühle, Panko Semmelbrösel, Zwiebelwürfel und Sardellenpaste einen geschmeidigen Teig kneten. Aus der Teigmasse 12 gleichmässig große Klopse formen. 

2.Zwiebel schälen, halbieren und in feine Würfel schneiden. Brühe in einem Topf aufkochen. Pimentkörner fein hacken und mit den Zwiebeln und Lorbeerblättern zur Brühe zugeben und auf kleiner Flamme ca. 10 Minuten weich köcheln. Mit Pfeffer und eventuell etwas salz noch einmal abschmecken. Hitze auf kleinste Flamme reduzieren und die Klopse in der Brühe für circa 20 Minuten gar ziehen lassen. Lorbeerblätter und die Klopse aus der Brühe herausnehmen, abgedeckt warm stellen.

3.Butter in einem Topf bei mittlerer Hitze zerlassen. Mehl darin anschwitzen. Mit dem Weißwein unter ständigem Rühren ablöschen. Keine Farbe ziehen lassen, wie etwa beim Beuscherl. Die noch warme Brühe nach und nach immer wieder zur Sauce zugeben, leicht aufkochen lassen, bis wieder Bindung entsteht. Den Vorgang solang wiederholen, bis die gesamte Brühe in der Sauce verarbeitet ist. Die Kapern mit dem Saft und Schlagobers hinzugeben. Mit Zitronensaft, Crème fraîche, Meersalz und Pfeffer abschmecken.

Serviervorschlag: Königsberger Klopse mit Butter-Erdäpfeln und grünem Salat in Dill-Rahmdressing

Chroniken: Tagebuch einer Quarantäne, Teil 2

Rückblick: Es ist Freitag. Freitag, der 13.März 2020 und ich bin in Zürs am Arlberg im Hotel Arlberghaus. Es ist 08.00 Uhr. Aufstehen ist angesagt, um 09.00 Uhr ist Dienstbeginn in der Küche, um 09.30 Uhr ein ausserordentliches Abteilungsleiter Meeting und um 11.00 Uhr dann Meeting mit allen Mitarbeitern und Patron im Restaurant. Spätestens jetzt wird sich auch jetzt das letzte sorglose Gemüt des Hauses der Lage bewusst: Covid-19 ist allgegenwärtig.

Das Abteilungsleiter Meeting wird kurz und knackig. Man spürt, das man nichts genaues weiss, sich aber dennoch bewusst ist, so schnell als möglich zu handeln. Handeln heisst zu diesem Zeitpunkt noch „geordneter Rückzug“. Für die Küche bedeutet dies, den Saisonputz zu starten mit all dem was nicht mehr für einen reibungslosen Ablauf unbedingt benötigt wird, Lebensmittel fachgerecht zu versorgen, und für die Dauer des Putzens Mitarbeiteressen in ausreichender Menge bereit zu stellen. Die Dauer eines solchen Saisonputzes beläuft sich im Hotel Arlberg im Normalfall auf 2 bis 3 Tage maximal.

Zwischenzeitlich mehrer Gespräche mit dem Patron geführt, auch was die Rückführung unserer Mitarbeiter aus dem Ausland anbelangt. Alles scheint seinen gewohnten Gang zu gehen, auch wenn weitaus mehr Lebensmittel an diesem Saisonende noch zu verarbeiten sind, als es normalerweise der Fall ist. Vorausschauende Lieferanten haben freundlicherweise tags zuvor oder am Freitag angerufen, ob sie die bestellte Ware überhaupt noch liefern sollen. Nein, es wurde alles storniert. Und jeder zeigte sich hierfür verständnisvoll.

Dann ein vertrauliches Gespräch mit meinem Patron: ich soll bitte Sorge dafür tragen, das wir am Samstag, spätestens Sonntagmorgen mit dem Saisonputz fertig sind und alle Lebensmittel versorgt sind. Ich kann zu diesem Zeitpunkt nur erahnen, welche Sorgen meinen Patron bedrücken und welche Informationen er bereits besitzt. Fakt scheint jedoch zu sein, das Zeitfenster für den bisher geplanten „geordneten Rückzug“ wird von Stunde zu Stunde kleiner.

Die Wahrscheinlichkeit, das nun auch der gesamte Arlberg unter Quarantäne gestellt wird, wird von Minute zu Minute wahrscheinlicher. Ich spreche ihm gegenüber meine Vermutung aus, und er verneint sie nicht. Wieder zurück in der bereits einer Baustelle gleichenden Küche suche ich das Gespräch mit meinen Mitarbeitern. Interessanterweise reagieren alle sehr besonnen und ruhig auf die Neuigkeiten und lassen keinen Zweifel daran, dass sie, meinen Worten folgend, auch bereit sind bis in die Nacht hinein zu arbeiten, um eine Abreise am Sonntag zu ermöglichen.

Samstag, den 14.März 2020: Zu diese Zeitpunkt haben wir noch 4 Gäste im Haus. Alle anderen sind bereits abgereist. Mit ein wenig Geschick gelingt es, auch diese noch davon zu überzeugen, das es besser wäre jetzt den Heimweg anzutreten. Somit ist die Küche frei, kein Abendessen und kein Frühstück mehr. Wir können durchstarten. Und auch wenn es noch am Vormittag geheißen hat, man soll nur das unbedingt notwendige putzen um möglichst schnell fertig zu werden, so habe ich doch eher den Eindruck, das sich wirklich jeder größtmögliche Mühe gibt, den Arbeitsplatz ordentlich und sauber zu verlassen.

Ein Saisonputz ist eine aufwendige Angelegenheit. Dies kann bis zum zerlegen mancher Geräte gehen um sie wirklich von allem restlos zu befreien, was sich im Laufe einer Saison angesammelt hat. Und Backöfen, Herd, Kombidämpfer, Hold-O-Maten, Tellerrechauds, Dunstabzugshaube, Kühlhäuser, Pizzaöfen, Tiefkühler, Magazin, Vakuumgerät, Mikrowelle, Geschirr und Silber an einem Tag komplett zu bewerkstelligen ist unter normalen Umständen gelinde gesagt ein „Ding der Unmöglichkeit“.

Es ist 20.30 Uhr, und es ist alles sauber, die Lebensmittel sind versorgt und obwohl eine schwere Last von einem abgefallen ist, herrscht doch eine bedrückende Stille. Die bereits Wochen zuvor organisierte Magnumflasche Champagner, welche als Dank für die tolle Saison angedacht, bleibt ungeöffnet im Kühlhaus. Es gibt keinen Grund zur Freude, nur eine Art Befriedigung, das man es geschafft hat, und alle morgen pünktlich abreisen können. Ich bin in meinem Zimmer und verspüre den Wunsch mein Auto bereits heute Nacht schon zu beladen um morgen früh sofort starten zu können. Ich muss Platz lassen in meinem Auto, denn ich habe unserem Rezeptionisten versprochen ihn zum Bahnhof nach Langen zu führen. Er will nach Wien, seiner Heimatstadt. Und seit Tagen plagen ihn Ängste, das Wien geschlossen wird. Gerüchte sind dieser Tage vieler im Umlauf…zu viele…

Fortsetzung folgt….

Zwiebelrostbraten zur Weihnachtszeit: mit Rosinen und Pfefferkuchen Jus

Zwiebelrostbraten zur Weihnachtszeit: mit Zwiebel Rosinen, gelbe Bete, Foccacia und Pfefferkuchen Jus

Heute serviere ich Zwiebelrostbraten. Und  Zwiebelrostbraten ist zweifelsohne eine Institution der klassischen Wiener Küche. Jedoch habe ich mich, wie vieler meiner Kollegen mittlerweile, beim Garen für die moderne Variante entschieden: weder plattiert noch gedünstet. Ich bin allerdings guter Dinge, das es mir mit meiner, auf die Jahreszeit bezogenen Neuinterpretation, erfolgreich gelingt euer Interesse zu wecken.

Es fällt mir dieser Tage nicht leicht in weihnachtliche Vorfreude zu verfallen. Bei strahlendem Sonnenschein und +15 Grad im Schatten bedarf es schon einiger Fantasie sich in die aktuelle Jahreszeit hinein zu träumen. Und so bemühe ich mich wenigstens auf kulinarischer Ebene mit meiner weihnachtlichen Interpretation eines Zwiebelrostbraten dem vorherrschenden Klima entgegen zu wirken und wünsche euch viel Freude und gutes Gelingen mit meinem Rezept.

Rostbraten mit Rosinen-Zwiebeln, gelbe Bete, Tramezzini und Pfefferkuchenjus

Zutaten für 4 Personen:

  • 4 Scheiben Rostbratenried zu je 250g
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
  • Öl

Für die Pfefferkuchenjus

  • 2 Zwiebeln
  • 50g Pastinaken
  • 50g Sellerie
  • 100g Karotten
  • 2 Lorbeerblätter
  • 5 Nelken
  • 1 Sternanis
  • 3 Pimentkörner
  • 1El Tomatenmark
  • 200g Pfefferkuchen
  • 500ml Fleischbrühe
  • 250ml Blaufränkisch
  • Meersalz aus der Mühle
  • Butterschmalz

Für die Rosinen-Zwiebel

  • 2 rote Zwiebeln
  • 100g Rosinen
  • 2El Zucker
  • Meersalz aus der Mühle
  • Butterschmalz

Für die gelbe Bete

  • 500g gelbe Bete
  • 2 Lorbeerblätter
  • 5 Nelken
  • 1 Sternanis
  • 5 Wacholderbeeren
  • 1/2 Zimtstange
  • Meersalz

Weiters benötigt ihr

  • 4 Scheiben Tramezzini
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 Thymianzweige
  • Butter

1. Für die gelbe Bete Wasser in einem Topf zum kochen bringen, salzen, und mit den Gewürzen aromatisieren. Gelbe Bete waschen und ungeschält in den Topf geben. Bei geschlossenem Deckel circa 1 Stunde kochen. Nach dem Garen die Bete schälen und in gleichmässige circa 0,5cm starke Scheiben schneiden, bereit stellen.

2.Rostbratenried mit einem Küchenkrepp trocknen und salzen. Öl in einer Pfanne erhitzen und die Ried von allen Seiten her scharf anbraten und mit Pfeffer würzen. Aus der Pfanne nehmen und in eine feuerfeste Form geben. .Zwiebeln und Wurzelgemüse nach Bedarf waschen und schälen, würfelig schneiden. Butterschmalz in der Pfanne erhitzen, Gemüse und Ziebeln zugeben und scharf anrösten. Tomatenmark zugeben und karamellisieren, mit Rotwein ablöschen, kräftig aufkochen und mit Fleischbrühe auffüllen. Hitze reduzieren, Gewürze leicht zerstossen zugeben und leicht köcheln und reduzieren. Mit Meersalz abschmecken, durch ein Sieb in einen Standmixer passieren, Pfefferkuchen zugeben und kräftig aufmixen. Noch einmal durch ein Sieb passieren, abschmecken und warm halten.

3.Rote Ziebeln schälen, halbieren und in Streifen schneiden. Butterschmalz in einem Topf erhitzen, Zwiebel darin andünsten, Zucker, Salz und Rosinen zugeben. Die Zwiebeln bei geschlossenem Deckel auf kleiner Flamme langsam weich dünsten. Noch einmal mit Zucker und Salz abschmecken. Die Zwiebeln sollten leicht süßlich schmecken.

4.Knoblauch schälen und halbieren. Tramezzini Scheiben ebenfalls halbieren. Reichlich Butter auf mittlerer Flamme in einer Pfanne erhitzen, Knoblauchzehen und Thymian zugeben, Tramezzini und gelbe Bete nach und nach darin anbraten.

Weihnachtlicher Zwiebelrostbraten mit Rosinen-Zwiebeln, gelbe Bete und Pfefferkuchenjus ©Michael Stricker

„Hier bleib ich, hier fühl ich mich wohl!“

-6185262417189743704_IMG_2762Er ist schon ne echt coole Socke, dieser Sven Hoppe, in seinem Auftreten, seinem Erscheinungsbild, mit trendig gestyltem Rauschebart, Kurzhaarfrisur, Baseball Kappe und kräftiger Statur. Letzteres durch seine zweite Leidenschaft, dem Eishockey, hier in Füssen beim BLZ, bedingt. Wie und warum Sven und ich uns kennengelernt haben? Ich hatte ein Problem. Ich schlug mich nunmehr schon seit der zweiten Saison mit  gelinde gesagt „halbstumpfen“ Messern herum, trotz eigenem Nassschleifstein. Aber gutes Schleifen braucht jede Menge Zeit und vor allem auch viel Erfahrung. Eine Lösung musste her bevor es wieder losgeht. Denn wenn ich eines in der Küche nicht leiden kann, dann sind es stumpfe Messer.

Rohling
Vom Rohling…

Und wir Köche brauchen scharfe Messer, richtig scharfe Messer. Nur, wen sollte ich da ranlassen, an das Heiligste was ein Koch besitzt?! Eine Frage des Vertrauens… und hier in der Region war mir niemand bekannt. Also erstmal  mit Stichworten googeln, regional, und sehen was die Maschine so hergibt. Ich wusste garnicht, das so viele Tutorials Kanäle auf YouTube existieren, wie man sein Messer richtig schleift. Nun gut, das wollen wir aber nicht wirklich… und weiter geht die Suche. Nach mehreren Anzeigen in Innsbruck und Schwaz, ich leb ja schließlich in Tirol, packte mich der Mut und ich gab zusätzlich „Füssen“ ein. Füssen deshalb, weil es gerade mal um die Ecke ist. Aber welchen Volltreffer ich hierbei gelandet hatte, wurde mir erst später bewusst.

Der Griff aus Olivenholz
…über den Griff…

Ich packte also erstmal ein paar Messer ein und fuhr auf blauen Dunst zu „Messer und Schere“, Schleiferei Hoppe in der Hopfenerstraße 4 in Füssen im bayrischen Allgäu, meinem Navi blind vertrauend. Moment, da kann aber etwas nicht stimmen: ein Bestattungsunternehmen? Wo bin ich denn jetzt gelandet??? Eigentlich ist Sven Hoppe nicht wirklich schwer zu finden. -6702271667068808503_IMG_2755Er liegt nämlich direkt an der Straße, ein großes Schild weißt den Weg. Sven freut sich! Und für Sven sind meine Messer überhaupt kein Problem. Er macht sich sogleich an die Arbeit. Wir kommen ins Gespräch. Er stammt aus Hannover, weil seine Familie auf die Idee kam von Solingen, der Deutschen Messerstadt schlechthin, nach Hannover zu übersiedeln. Aber das Allgäu, das ist seine zweite Heimat geworden. Früher war er mit einer mobilen Schleiferei auf „Tour“ unterwegs, jetzt hat er sich mit festen Geschäftsräumen in Füssen niedergelassen. Und die Schleiferei „Hoppe“ gibt es schon seit 1891, Hugo Hoppe anno dazumal. Verwandtschaftsverhältnisse, direkt oder um tausend Ecken herum fallen wie „Goldhamster“ oder „F.Dick“. Namen, die uns Köche sehr wohl bekannt sind. Aha? So ist das also.

Messer in Geschenkbox
…bis hin zum fertigen Messer

Und weil es Sven manchmal etwas „fad“ ist, kam er auch noch auf die Idee seine eigene Messerserie, aus finnischem Hochleistungsstahl versteht sich, zu fertigen. Volltreffer! Meine Messer sind wieder scharf, richtig scharf! Ich frag ihn, ob er noch länger da ist, weil ich dann meine restlichen Messer noch holen würde. Er bejaht meine Frage. Kurze Zeit später bin ich wieder zurück. „Ach weißt du was, ich mach dir die auch noch fertig, 45 Minuten, hast du Zeit?“ Und ob ich die habe! Wir kommen noch einmal auf seine eigenen Messer zu sprechen.

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Mein Unikat!

Um die 8 Stunden braucht er für die Bearbeitung eines Messers, mit edlem Olivenholzgriff verfeinert. Seine Auftragsbücher sind voll. Was er fertigt ist auch im selben Moment schon verkauft. 6 verschiedene Messertypen sollen es letztendlich mal werden. Vom klassischen Kochmesser über Santoku bis hin zum Tourniermesser ist dann alles vertreten. Sven ist ein regionaler Erzeuger, mit einem Produkt, von dem ich nie gedacht hätte es hier in Region mal vorzufinden, geschweige denn das es den Weg auf meine Homepage findet! Und Sven bleibt hier. Denn hier fühlt er sich wohl, im bayrischen Allgäu!

Hier geht’s direkt zu Svens Messerschleiferei

 

 

Wie am Fließband…

IMG00055-20110217-1908Sicher hat sich der eine oder andere schon einmal gefragt, wie man es schafft, gemessen an der Zahl der Gäste, das ein Gericht dem anderen gleicht und die Küche bei entsprechendem Tempo reibungslos verlässt. Im Zuge der stetigen Vergrößerung durch An- und Umbauten der Hotels in den Ferienregionen, und der damit proportional steigenden Anzahl der Gäste stellten viele Häuser für ihre Hausgäste den à la carte-Bereich ein und boten ihren Gästen künftig das sogenannte Abendmenü mit Wahlmöglichkeit bei den einzelnen Gängen. IMG00057-20110217-1909Dies führte zum einen zu einem vereinfachten Abendservice in der Küche und man war nicht gezwungen weiteres, noch zusätzliches Personal einzustellen, und zum anderen nicht selten zu einer Steigerung der Qualität. Denn nun konnte man in den Küchen den Hausgästen seine ganze Aufmerksamkeit schenken! IMG00060-20110217-1914Schnell erreichte das allabendliche Menü das Niveau einer gehobenen Küche. Daneben unterhielten viele renommierte Häuser noch ein zusätzliches Restaurant in dem sie in puncto Qualität und Kreativität noch eins drauf setzten. Nicht selten waren der Lohn dieses zusätzlichen Aufwandes zahlreiche Auszeichnungen, mit denen sich die Hotels und Restaurants schmückten. Carpaccio "Chipriani"Und so begann man beim Abendservice für die Hausgäste wie am Fließband zu produzieren. Qualitativ hochwertig mit besten Produkten und jeder Teller gleich dem anderen. Die leeren Teller wurden in Reih und Glied aufgebaut und jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, vom Rinderfilet angefangen über die Marinade, bis hin zum Finish. Und am Ende dieser Kette verließ der fertige Teller die Küche.

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